1. Reisebericht: 2.600 km bis zur Werkstatt

12. Oktober - 9. November 2017

oder: Von Mexico City bis Farmington/USA… und wie es dazu kam: Am Ende unserer letzten Reise streikte plötzlich das Getriebe unseres Toyopedi. Nach längerer Bergabfahrt auf der Baja California ließen sich der zweite und vierte Gang nicht mehr einlegen. Erster, Dritter und Fünfter funktionierten noch. Nun ist ja allgemein bekannt, daß die Getriebe der neueren Landcruiser HZJ 70er-Serie zu schwach ausgelegt sind und schon bei 80.000 Kilometern, wenn man "Glück" hat erst bei 150.000 Kilometern, hinüber sind, insbesondere wenn man wie wir mit einer schweren Kabine und somit permanent überladen fährt. Daher keine allzu große Überraschung.
Unser Getriebe ging aber nicht kaputt, sondern heilte sich von selbst, muckte am nächsten Tag nochmals mit den gleichen Symptomen, aber ließ sich danach wieder einwandfrei schalten. Somit legten wir die ca. 1.200 Kilometer bis nach Mexiko City problemlos zurück, stellten unser Reisemobil auf Pepe's RV-Park in Tepotzotlan ab und flogen für den Sommer nach Hause.
Dementprechend war Recherchieren über Getriebeprobleme angesagt und viele Gespräche mit Spezialisten, denn eigentlich hatten wir für diese Reise eine Abschiedstour durch Mexiko & Guatemala geplant, wollten den Toyopedi dann in San Francisco oder Seattle abstellen, um bei der nächsten Reise mit Kanada & Alaska die letzte Etappe des amerikanischen Kontinents in Angriff zu nehmen. Doch wird das Getriebe eine solche Tour und weitere ca. 30.000 Kilometer durchhalten? Natürlich kann das niemand voraussagen und somit entschieden wir nach wochenlangen Recherchen das Getriebe zu wechseln und zwar auf das stärker ausgelegte Getriebe des HDJ 80.
Danach stellte sich die Frage wo wir das machen lassen - zurückverschiffen und auf Kanada & Alaska verzichten oder in Mexiko oder den USA wechseln? Was wären die Kosten für die Verschiffung oder Versendung von Teilen? Wie hoch sind die Einfuhrzölle? Kann man von Mexiko direkt nach Europa verschiffen? Hilft der ADAC bei der Versendung? Wieder recherchieren! Schließlich finden wir auch eine Toyota-Werkstatt in Farmington, New Mexico/USA, deren Besitzer Bill sich mit unserem Modell des Landcruiser auskennt. Dort wollen wir reparieren lassen.
Bis zu Bill's Werkstatt sind es mindestens 2.600 Kilometer, davon fast 2.000 in Mexiko. Was passiert, wenn unser beschädigtes Getriebe in Mexiko den Geist aufgibt und das neue Getriebe verzollt in Farmington/USA liegt? Das wäre der Super-Gau, denn mit einem havarierten Fahrzeug das abgeschleppt wird (und von wem?) in die USA einzureisen dürfte extrem schwierig werden. Vielleicht vorsorglich in Mexiko auf einen Hänger stellen und die 2.000 Kilometer bis zur Grenze transportieren lassen?
Nach einigem Abwägen entscheiden wir uns, auf unseren Toyopedi zu vertrauen und Richtung Grenze zu fahren. Das OK zur Versendung des Getriebes werden wir jedoch erst geben, wenn wir in die USA eingereist sind.

Freitag, den 13. Oktober, kommen wir in Mexiko City/Tepotzotlan an und erledigen erst einmal alle Arbeiten die anstehen, wenn ein Auto sieben Monate gestanden hat... unter anderem ist dieses Mal eine neue Starterbatterie fällig.

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Nach drei Tagen in Tepotzotlan brechen wir mit einem flauen Gefühl im Magen auf. Auf dem Weg zur Grenze stoppen wir für zwei Tage in Queretaro und genießen noch einmal eine schöne Kolonialstadt, das leckere mexikanische Essen und nicht zuletzt einen günstigen Haarschnitt.

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Mit langen Fahretappen geht es weiter Richtung USA. Das Getriebe hält und der Grenzübertritt im kleinen Ort Columbus ist problemlos und schnell erledigt - kein Vergleich mit dem stundenlangen Warten bei der Einreise in El Paso im letzten Jahr. Jetzt sind wir auf der sicheren Seite falls unser Getriebe streiken sollte, denn unsere amerikanische Kfz-Versicherung enthält auch eine "Road Assistance". Erleichtert geben wir Frans aus den Niederlanden das OK zum Versenden des Getriebes und besuchen entspannt noch eine Oldtimer-Show an unserem ersten Übernachtungsplatz.

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Im "City of Rocks" State Park erholen wir uns zwei Tage von den stressigen Fahretappen, machen Spaziergänge durch die tollen Felsformationen aus verhärteter Vulkanasche und geniessen unser erstes "amerikanisches" Lagerfeuer. Auf der Weiterfahrt stoppen wir kurz in Silver City, einem ehemaligen Bergbaustädtchen.

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Wir machen einen Abstecher zum "Very Large Array", der weltweit größten Anlage von Parabolantennen in der einsamen Wüste New Mexicos. Die 27 riesigen Antennen arbeiten als ein gigantisches Teleskop von bis zu 22 Meilen Größe und können Radiowellen aus schwarzen Löchern - der größten Quelle von Radiowellen - und entfernten Galaxien auffangen.

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Wir fahren eine "Scenic Route" durch Reservationen verschiedener Indianerstämme und beobachten, auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz in den bewaldeten Bergen, schon von weitem die riesige Qualmwolke eines beeindruckenden Waldbrandes. Da wir weder Feuerwehr noch andere Camper sehen, verzichten wir auf einem der schönen Waldcampingplätze zu nächtigen. Am nächsten Tag erfahren wir jedoch, dass es ein kontrolliertes Feuer gewesen ist.

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"The Town That Never Was"… Wir sind in Los Alamos, wo von 1942 bis 1945 das "Manhattan Project" durchgeführt wurde. Hier hat das Atomzeitalter begonnen, zumindest die Ära der Atombomben. Nach dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbour im zweiten Weltkrieg wurde hier in streng geheimer Mission die erste Atombombe entwickelt und gebaut.
Noch viele Kilometer von Los Alamos entfernt fahren wir an großen Zäunen mit unzähligen Warnhinweisen vorbei, bis wir verstehen warum: Los Alamos National Laboratories - KEEP OUT !!!
Später erfahren wir, dass sich hier das nationale Nuklearforschungszentrum der USA befindet und sich die heutigen Forschungseinrichtungen und Produktionen über eine Fläche von 36 Quadratmeilen erstrecken und über 10.000 Angestellte beschäftigt sind. Unsere Fahrt in die Stadt führt entlang einiger Gebäude der Anlagen, doch vorher passieren wir eine große Kontrollstation, werden freundlich darauf hingewiesen, dass Fahrzeuge wie unser Wohnmobil kontrolliert werden müssen und wenn wir nicht damit einverstanden sind, könnten wir gerne umdrehen. Wir sind einverstanden, denn wir wollen in das Museum.
Das hoch interessante "Bradbury-Science Museum" ist in drei Bereiche geteilt: 1. Geschichte - hier wird die Entstehung der Atombombe dargestellt, 2. Forschung - hier werden die heutigen Wissenschaftsbereiche der Laboratorien erläutert und 3. Verteidigung - hier werden Nuklearwaffen gezeigt und Nachbauten der Atombomben „Little Boy“ und „Fat Man“, die auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfen wurden. Wie meist in den USA ist die Präsentation perfekt, aber nicht kritisch. Interessant fanden wir den Forschungsbereich, der Nanotechnologie, Klima- und Umweltforschung, Medizinforschung, Agrar-/Nahrungsmittelwissenschaften, Computertechnologie, Weltraumforschung, etc. umfasst. Die wichtigste Mission der Anlagen ist jedoch die Sicherheit und Verlässlichkeit der amerikanischen nuklearen Abschreckung zu gewährleisten. Das die kleine Stadt in den Bergen von der Nukleartechnologie lebt ist offensichtlich, doch mit welchem Stolz dies demonstriert wird ist für uns wieder erstaunlich: wir passieren den Oppenheimer Boulevard und die Bikini Atoll Street und die öffentlichen Busse ziert die Aufschrift "Atomic City Tranport".

Südlich von Los Alamos tauchen wir in die Geschichte der Pueblo-Indianer ein und besuchen das "Bandelier National Monument". In sogenannten Klippenwohnungen, natürlichen Felshöhlen in den Tuffsteinfelsen, wohnten zwischen 1200 und 1500 n.C. Indianer in mehreren Pueblos. Später wurden die Höhlen durch Vorbauten erweitert und am Grund des Canyon ein weiteres großes Pueblo errichtet.

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In Farmington statten wir der empfohlenen Werkstatt "Bill's Toy Shop" einen ersten Besuch ab. Leider liegen unsere Ersatzteile noch im Zoll, doch Bill erledigt alle anderen anstehenden Servicearbeiten. Außerdem ist Halloween und auf der Haupstraße von Farmington werden phantasievolle Kostüme präsentiert.

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Es dauert eine Woche bis Zoll und Weitertransport nach Farmington erledigt sind, daher vertreiben wir uns die Zeit mit einer Rundtour durch die "Four Corners Area", wo New Mexico, Arizona, Utah und Colorado aneinanderstoßen.

Aztec National Monument

Nach der Entdeckung im 19. Jhdt. hielt man dieses ursprünglich dreistöckige Pueblo für ein Bauwerk der Azteken. Obwohl sich später herausstellte, dass dieses Volk nie in New Mexico siedelte, blieb der irreführende Name erhalten.

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Bisti Wilderness Area

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"Four Corners"

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Hovenweep National Monument

In Utah besuchen wir Hovenweep, was übersetzt so viel bedeutet wie Wüstencanyon. Entlang des Canyonrandes bauten die Navajo-Indianer um 1100 n.C. große Gebäude und Türme, über deren Bedeutung heute noch gerätselt wird. Vermutlich waren sie symbolisch zum Schutz für etwas Kostbares errichtet worden: Wasser.

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Werkstatt

Es wird ernst und unser altes Getriebe, das seit den Problemen vor über 5.000km wieder einwandfrei funktioniert, muss weichen. Eine verstärkte Kupplung wird auch mit eingebaut, außerdem sind neue Bremsscheiben fällig, die wir gleich mitbestellt hatten. Bill arbeitet extrem sorgfältig und mit viel Routine an unserem Toyopedi und nach drei Tagen verlassen wir mit einem guten Gefühl die Werkstatt.

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Jetzt geht unsere Tour richtig los - auf geht's nach Texas!

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