3. Reisebericht: Aufbruch & Halbinsel Valdes

5.-8. Oktober 2013: Fahrt zur Halbinsel Valdes

Wir werden von allen Reisenden in Las Piedras mit vielen guten Wuenschen verabschiedet und merken, wie wohl wir uns gefuehlt haben mit den anderen die Plaene und Reiserouten zu diskutieren, als wir nach kurzer Zeit alleine durch das Huegelland Uruguays in nordwestlicher Richtung cruisen. Wir wollen nach Argentinien und das geht entweder mit der Faehre ueber den Rio de la Plata oder auf einem 600 km langen Umweg ueber drei gigantische Haengebruecken, die Uruguay und Argentinien auf dem Landweg verbinden. Die erste ueberspannt den Rio Uruguay bei Fray Bentos in Uruguay, die zweite und dritte den Rio Parana bei Zarate in Argentinien. Aus beiden Fluessen entsteht der Rio de la Plata. Vor der ersten Bruecke ist unser erster Grenzuebergang mit dem Toyopedi, also bloss alles richtig machen: zuerst reisen wir aus und dann beim Zoll unser Auto, danach reisen wir ein und zuletzt beim Zoll unser Auto. Alles scheint seitens der Uruguayer und Argentinier in einer gemeinsamem Grenzstation gut organisiert und fuer uns logisch und nachvollziebar. Wenn da nicht eine Gruppe von 30 Deutschen gewesen waere, die eine gefuehrte Tour mit neuen Mercedes G 500 durch Suedamerika machen, auch ihre erste Grenze passieren und entsprechend aufgeregt sind und fast gleichzeitig eine Gruppe von ca. 60 Uruguayern in die Grenzstation einfaellt, die scheinbar das erste Mal ihr Land mit einer Busreise nach Argentinien verlassen. Nachdem wir mehrere Male versehentlich zu der deutschen Gruppe gezaehlt werden und dadurch letztendlich ohne Einreisestempel an der argentinischen Schranke stehen, aber unser Auto gemaess Papieren schon ohne uns eingereist ist, haben wir es irgendwann geschafft, alles wird geregelt und weiter geht die Fahrt.

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Unseren ersten Uebernachtungsplatz haben wir unter der zweiten grossen Haengebruecke gefunden. Der Campingplatz entspricht in Sachen Sanitaereinrichtungen den Befuerchtungen von Suedamerikareisenden, trotzdem sind wir froh einen sicheren Standort fuer unsere “erste Nacht on tour” zu haben. Als wir gerade unseren Stellplatz am Flussufer bezogen haben, bringt uns die nette Eigentuemerin den Rest einer riesigen gegrillten Dorade, das Sonntagsessen der Familie, die wir unbedingt probieren sollen. Selten haben wir einen so leckeren Fisch gegessen....

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Die Fahrt fuehrt am naechsten Morgen weiter durch das Sumpfland des Rio Parana Deltas. Danach geht es, im wahrsten Sinne des Wortes, in die Pampa, denn die Region suedwestlich von Buenos Aires heisst "La Pampa". Auf unserer Strecke passieren wir die Stadt Lujan, laut unserem Reisefuehrer der bedeutendste Marien-Wallfahrtsort Argentiniens. Jedes Jahr pilgern am ersten Samstag im Oktober Tausende Glaeubige zu Fuss die 65 km lange Strecke von Buenos Aires nach Lujan und wir kommen zufaellig am ersten Sonntag im Oktober dort vorbei. Also biegen wir ab und schauen uns dieses Ereignis und die mueden Pilger an.

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Noch fast 2.000 km bis nach Valdes - Farmen, Rinder, unendliche Weite, kein Verkehr. An einem See nahe der "Ruta Nacional No. 65" uebernachten wir erneut. Es gibt einen kleinen Strand fuer Angler und wir bekommen offiziell von einem staedtischen Aufseher (wobei weit und breit keine Stadt zu sehen ist) die Genehmigung, dort fuer umgerechnet einen Euro (gegen offizielle Quittung!) eine Nacht zu campen. Dafuer sind die Toiletten kaputt und als es dunkel wird bleiben wir voellig alleine, da die wenigen Angler nach Hause gefahren sind. Wir schlafen trotzdem praechtig.

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Wir fahren weiter durch endlose Weiten. Das Navi sagt: fahren sie 240 km, ist dann still und es geht immer nur geradeaus. Dann kommt ein Kreisverkehr, "nehmen Sie die zweite Ausfahrt" (=geradeaus) und wieder ist fuer mindestens 100 km Ruhe.
Um das Einschleppen von Schaedlingen nach Patagonien zu verhindern, gibt es auch innerhalb Argentiniens Lebensmittelkontrollen. Es duerfen keine pflanzlichen und tierischen Produkte mitgenommen werden. Die Kontrolleure wollen alle in unser “Haus”, staunen und bedanken sich hoeflich, nachden sie kurz in unseren nur mit Getraenken gefuellten Kuehlschrank geschaut haben, und wuenschen uns gute Reise. Hinter dem Bett haben sie nicht nachgeschaut………
Wir erreichen die patagonische Kueste und uebernachten erneut, laut Reisefuehrer in einem "lebhaften und immer gut besuchten" Badeort, der allerdings noch im Winterschlaf ist. Wir finden dennoch einen geoeffneten Campingplatz und einen Supermarkt und... treffen auf Manfred & Rosita, die auf ihrem Weg nach Patagonien in dieser unendlichen Weite zufaellig auch "Las Grutas" als Standort fuer die Nacht gewaehlt haben.
Nach fast vier Tagen Fahrt erreichen wir die Halbinsel Valdes, fuer uns ein erster Hoehepunkt der Reise, denn zu dieser Jahreszeit gibt es neben Pinguinen, See-Elefanten, Seeloewen, Guanakos und vielen Meeresvoegeln auch Wale zu beobachten.

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9.-12. Oktober 2013: Halbinsel Valdes

Die Wale kommen in die Buchten von Valdes aufgrund der warmen Meeresstroemungen und ziehen in den kuestennahen Gewaessern ihre Jungen auf. Trotz unserer vielen Reisen haben wir noch nie Wale gesehen und werden jetzt riesig entschaedigt. Staendig ziehen sie an der Kueste entlang, viele “Muetter mit Babies” und man hat das Gefuehl, dass diese gigantischen Tiere uns stolz ihren Nachwuchs praesentieren. Nur wenige Meter vom Ufer entfernt schwimmen sie vorbei und pussten ihre Fontainen in die Luft. Mehrere hundert Meter entfernt ist einer besonders gut drauf und schiesst mit einem Salto in die Hoehe, laut klatscht seine riesige Schwanzflosse auf das Wasser.

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Wir treffen auf die ersten Magellan-Pinguine. Sie sind nur Zentimeter von uns entfernt und haben keine Angst vor uns, so dass man sie streicheln koennte. Obwohl uns der starke patagonische Wind fast von den Fuessen weht, stehen die kleinen Kerlchen felsenfest auf ihren Entenfuessen und schauen auf das Meer, die Federn dick aufgeplustert.

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Beeindruckend sind die See-Elefanten, denn es ist Paarungszeit. Die bis zu 4.000 kg schweren Maennchen haben alle Haende oder Flossen voll zu tun, denn ihr Harem umfasst bis zu 130 Weibchen. Nicht nur, dass man sich um die “nur” 800 kg schweren Weibchen zu kuemmern hat, nein, es muessen auch noch Nebenbuhler weggebissen werden, die keinen eigenen Harem besitzen. In dieser stressigen Zeit kann das “arme” Maennchen nicht fressen und nimmt bis zu 12 kg am Tag ab!
DIe Seeloewen wirken im Vergleich zu diesen Kolossen geradezu grazil.

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