16. Reisebericht: Man spricht deutsch

19. - 27. Maerz 2014

Weiter geht es Richtung Sueden. Die Panoramastrasse "Estrada da Graciosa" ist wegen eines Erdrutsches leider nicht befahrbar, somit ist unser naechster Stop in Sao Francisco do Sul, der drittaeltesten Kolonialstadt Brasiliens, malerisch auf einer Halbinsel gelegen. Wir schauen uns den kleinen Ort an und fahren zum historischen Fort "Marechal Luz". Der junge Soldat am Tor begruesst uns und wir sehen bei unserem Spaziergang, dass man im Fort uebernachten kann und es sogar einen gut ausgestatteten Campingplatz gibt. Fuer unsere Standgebuehr bekommen wir eine Quittung, ausgestellt vom Verteidigungsministerium!

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Durch das Valle Europeu fahren wir nach Blumenau. Im "europaeischen Tal" werden zwischen Palmen und tropischem Regenwald Zuckerrohr, Reis und Bananen angebaut. Dass wir uns dem deutschen Siedlungsgebiet naehern, erkennen wir am Stil der Haeuser. Es muss wohl doch "typisch deutsch" sein, ein gepflegtes Haus mit einem schoen angelegten Garten zu haben...
Wir erreichen Blumenau, die Oktoberfest–Stadt Brasiliens. Nach dem Karneval in Rio ist das Oktoberfest in Blumenau das groesste Volksfest in Brasilien. Die "Vila Germanica" in dem alljaehrlich das Fest stattfindet, wirkt ein bischen wie Disney, ist aber dennoch einen Besuch wert. Auch in der Stadt lesen wir deutsche Namen an Geschaeften, Hotels und Fabriken. Fachwerkhaeuser praegen das Bild in der Innenstadt und kleine Privatbrauereien mit Biernamen wie “Eisenbahn”, “Bierland” oder “Schornstein” vermitteln deutsches Flair. Wir uebernachten auf einem Campingplatz in der Stadt und werden prompt von der deutsch sprechenden Grundstueckseigentuemerin zu Bier vom Fass und Grillfleisch eingeladen. Am naechsten Abend faehrt sie mit uns zwei Stunden durch Blumenau und zeigt uns die Stadt.

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Wir verlaengern unseren Aufenthalt in Blumenau, denn wir haben auf Empfehlung der engagierten jungen Eigentuemerin (!) des Bosch-Dienstes eine Werkstatt gefunden, die wie es scheint unser Klimaanlagenproblem loesen kann. Sehr schnell haben die Mechaniker herausgefunden, dass die Klimaanlage in Ordnung ist, aber an der Zuleitung ins Auto ein Anschluss gebrochen ist und Gas entweicht. Das Ersatzteil kann bestellt werden und soll in vier Tagen da sein.

Der Name Pomerode, des 29.000 Einwohner Staedtchens, stammt von den Siedlern aus Pommern, die sich Mitte des 19. Jahrhunderts hier niederliessen. Obwohl wir uns kaum noch erinnern, dass Pommern einmal zu Deutschland bzw. zum deutschen Kaiserreich gehoerte, werden hier deutsche Traditionen hoch gehalten. Man spricht deutsch, es gibt einen Schuetzenverein und selbstverstaendlich ein Schuetzenfest mit Umzug, das Einwanderermuseum und wieder viele deutsche Namen in der Geschaeftsstrasse. Das lokale Bier heisst “Opa” und wird in den Wirtschaften “Siedlertal” und “Abendbrot” ausgeschenkt. Wir parken ueber Nacht auf dem Festplatz und schauen am naechsten Tag bei einem Treffen und Spielewettbewerb der aelteren Generation vorbei. Wir unterhalten uns mit einigen Leuten, die gar nicht so sehr an unserer Tour interessiert sind, sondern vielmehr unzaehlige Fragen zu Deutschland haben. Unsere Bemerkung, dass Pomerode mehr deutsch ist als viele Staedte in Deutschland amuesiert sie, aber glauben koennen sie es nicht.

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Eine wirklich passende Beschreibung zu Pomerode und der Region finden wir in einer Broschuere der Touristeninformation: “Mit Ausnahme der portugiesischen Gruendung Sao Francisco do Sul und den anderen Kuestenstaedten wurden die uebrigen Staedte dieser Region vor allem von Deutschen kolonisiert. .... Die Region bewahrt mit Sorgfalt ihr kulturelles Erbe, dass die ersten Einwanderer hier hinterliessen: die Staedte sind gruen, die Strassen sauber und voller Blumen, Verandas sind mit geschnitzten Holzverblendungen verziert und in den Fenstern haengen Vorhaenge.”

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