14. Reisebericht: Von Humahuaca bis Iguazu

20. Februar - 7. Maerz 2014

Paso de Jama wird zum Abschied von den Hochebenen noch einmal richtig anstrengend. Die Passhoehe am chilenisch–argentinischen Grenzuebergang liegt zwar “nur” bei ca. 4.200 Metern, doch bewegen wir uns auf den 160 km bis zur Grenze wieder auf Hoehen von bis zu 4.800 Metern. Strahlend blauer Himmel, beeindruckende Bergmassive und blaue Lagunen vertreiben unsere Hoehenprobleme und nach der Grenze geht es stetig bergab. Auf ca. 3.500 Metern passieren wir die Salinas Grandes, einen riesigen Salzsee, durch den ein Damm mitten durch fuehrt. Wieder sind wir mehr beeindruckt von der Natur, als von der kommerziellen Salzgewinnung. Anschliessend geht es durch die Cuesta de Lipan, eine faszinierende Schlucht, weitere 1.000 Meter nach unten in das naechste Tal.

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Das Tal ist die "Quebrada de Humahuaca", ein ca. 70 km langer trockener Canyon, dessen Felsformationen zum UNESCO-Welterbe gehoeren und der hauptsaechlich von indigener Bevoelkerung bewohnt wird. Wir verbringen eine Nacht in dem Ort Humahuaca und fuehlen uns wieder wie in einem Indianerdorf. An der Kirche in Uquia legen wir einen Stop ein. In der kleinen Dorfkirche mit einer Decke, einem Altar und Beichtstuehlen aus Kakteenholz werden die himmlischen Heerscharen auf grossen Bildern mit Vorderladern bewaffnet dargestellt. Das gefaellt uns, und wir stellen uns vor wie es waere, wenn die Malereien einige hundert Jahre spaeter entstanden waeren: haetten sie dann Uzzis und Kalaschnikows in der Hand… und was haette die katholische Kirche wohl dazu gesagt…?

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In San Salvador de Jujuy finden wir einen netten Campingplatz, bummeln durch die Stadt und erledigen technischen Dienst am Toyopedi. Halb Bolivien klebt im Luftfilter, ein neuer Kraftstofffilter ist auch faellig und alle Gelenke werden abgeschmiert, Trinkwasserfilter ausgewaschen, der Staub aus den Staufaecherschloessern mit Oel entfernt, Tuerklinke und Schloss der Eingangstuer gerichtet und alle Oelstaende kontrolliert. Ausserdem ist grosse Putzaktion "im Haus" angesagt.

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Durch das flache Schwemmland des Chaco geht unsere eher langweilige Route ca. 1.500 km weiter nach Osten zu den Wasserfaellen von Iguazu. Neu ist fuer uns das veraenderte Klima: es ist schwuelwarm, keine gnadenlos trockene Hitze mehr wie in der Wueste, sondern heftige Gewitter, die uns Tag und Nacht begleiten, und wir schwitzen richtig. Natuerlich ist es jetzt nicht mehr so sandig und staubig, sondern wieder schoen gruen. Die Pflanzenvielfalt ist toll, die Moskitos weniger.
Zwei Versuche unternehmen wir das “argentinische Pantanal”, das Nationalreservat Esteros del Ibera, zu besuchen, doch durch die heftigen Regenfaelle der letzten Tage scheitern wir an der verschlammten Erdpiste. Somit gehts weiter zur noerdlichsten Provinz Argentiniens “Misiones” und wir sehen uns einige Ruinen der im 17. Jahrhundert gegruendeten Jesuitenmissionen an. Die ehemals 30 Missionen im Dreilaendereck Argentinien, Paraguay und Brasilien boten damals fast 150.000 Guarani Indianern Schutz vor den Auswirkungen der Kolonialisierung, wie z.B. Zwangsarbeit oder Sklaverei. Die wachsende Bedeutung der Siedlungen weckte jedoch das Misstrauen der Kolonialherren und Ende des 18. Jahrhunderts entzogen die Kolonialmaechte den Jesuiten das Recht, das Land zu nutzen und die Missionen wurden aufgegeben oder bei spaeteren Invasionen zerstoert.

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Durch immer dichteren Regenwald fahrend, erreichen wir ein weiteres Highlight unserer Reise, die Wasserfaelle von Iguazu im Amazonas aehnlichen Regenwald von Brasilien und Argentinien. Obwohl Bernd irgendwann beschlossen hatte, sich Wasserfaelle nur noch anzuschauen, wenn das Wasser von unten nach oben fliesst, sollte man in Iguazu eine Ausnahme machen. Das Schauspiel, das die Natur hier bietet, kann man nicht mit Worten beschreiben….. Eleonor Roosevelt, die Gattin des ehemaligen US-Praesidenten, hatte nur zwei Worte beim Anblick der Faelle von Iguazu: poor Niagara.

Iguazu - Argentinien

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Die Fakten: Rechnet man die einzelnen Faelle zusammen, sind die Wasserfaelle 2,7 km breit. Bevor der Rio Iguazu ueber ein abrupt abbrechendes Basaltplateau fliesst, teilt er sich in zahlreiche Kanaele mit Riffen, Felsen und Inseln, durch die die Vielzahl an Kaskaden entstehen. Tausende Kubikmeter Wasser stuerzen bis zu 80 m in die Tiefe. Die Lautstaerke des tosenden Wassers und die Gischtschleier sind atemberaubend und vielleicht einer der Gruende, dass die Faelle zum UNESCO-Welterbe zaehlen sowie als eines der neuen sieben Naturwunder gelten.

Iguazu - Brasilien

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Itaipu

Bevor es weiter Richtung Kueste zu unserem naechsten Ziel - Rio de Janeiro - geht, schauen wir uns das zur Zeit noch groesste Wasserkraftwerk der Welt an, Itaipu. Wie vertraut klingt der Name, habe ich doch vor ca. 30 Jahren als junger Exportfinanzierer an dem Kredit fuer die Brasilianer mitgearbeitet und Heike das Engagement in ihrem ersten Job in der internationalen Kreditadministration betreut. Jetzt den 8 Kilometer langen und 200 Meter hohen Staudamm zu sehen ist schon etwas ganz besonderes. Der Stausee des Rio Parana reicht rund 180 Kilometer ins Land. Seinerzeit war das Projekt umstritten, denn ueber 10.000 Menschen mussten umgesiedelt werden sowie unzaehlige Tiere aus dem tropischen Regenwald. Ausserdem verschuldete sich Brasilien sehr hoch an den internationalen Kapitalmaerkten. Aufgrund der ueberschwemmten Gebiete von Paraguay verpflichtete sich Brasilien, den produzierten Strom mit Paraguay zu teilen. Heute decken die Stromlieferungen nicht nur den kompletten Stromverbrauch von Paraguay, das kleine Land verkauft seine Ueberschuesse sogar zurueck nach Brasilien. In Brasilien werden rund 20% des Strombedarfs dieses riesigen Landes durch Itaipu gedeckt.
Auch wenn der 3-Schluchten Staudamm in China ans Netz gehen wird, bleibt Itaipu weiterhin das effektivste Wasserkraftwerk, da die Fallhoehe des Wassers hier extrem gross ist. Auch bei dem Vergleich “ueberschwemmte Flaeche” zu “gewonnener Energie” liegt Itaipu weiterhin auf Platz 1.

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