3. Reisebericht: Auf nach Albanien

4.- 21. August 2025

Am „Eisernen Tor“ reisen wir von Rumänien nach Serbien ein. In diesem Fall natürlich nicht am bekannten Donaudurchbruch durch die Karpaten sondern an der großen Staustufe, die auch eine Straßenverbindung hat. Es regnet und wir fahren zügig weiter nach Süden. Ein Übernachtungsstopp in Serbien liegt unterhalb eines spektakulär an und in die Felsen gebauten kleinen Klosters, ein anderer bei einem einsam im Wald gelegenen Gasthaus. Wir sind die einzigen Gäste, es gibt "nur" ein Gericht und wir werden fürstlich bewirtet.

  • Grenzübergang "Eisernes Tor"
  • Schöne Festung entlang unserer Route.
  • Spaziergang zu unserem Waldgasthof.
  • Rustikale Küche und beeindruckende Töpfe....
  • Lecker und reichlich...
  • Unser einsamer Übernachtungsplatz.
  • Felsenkloster Crna Reka
  • In die Felsen gehauener Altarraum.

Im Süden Montenegros endete unsere erste Balkanrunde und hier setzen wir unseren Roadtrip fort. Am Mtrvica Canyon mit einer schönen Bogenbrücke aus osmanischer Zeit legen wir eine erste Reisepause ein und das hübsche Kloster Moraca in toller Lage ist auch einen Stopp wert.

  • Schöner Übernachtungsplatz am Beginn des Canyons.
  • Wieder eine schöne Fahrt durch die Berge.
  • Kloster Moraca

Albanien

Durch den Skutarisee, das größte Binnengewässer auf dem Balkan, verläuft die Grenze Montenegro – Albanien. Wir konnten den riesigen See – nach Regenfällen kann er größer als der Bodensee werden – von montenegrinischer Seite bei Roadtrip Nr. 1 aus der Ferne sehen, dieses Mal legen wir auf der albanischen Seite eine kleine Reisepause ein und lesen über unser nächstes Reiseland.
Bis 1990 war Albanien ein „weißer Fleck“ in Europa, denn die Kommunisten unter Langzeitpräsident Enver Hoxha schotteten das Land völlig ab. Bereits kurz nach der Machtergreifung Ende der 1940er Jahre wurden die Beziehungen zu Jugoslawien abgebrochen, Ende der 1960er Jahre zur ehemaligen Sowjetunion und Ende der 1970er Jahre zu China. Damit war Albanien auch politisch weitgehend isoliert. Investiert wurde in dieser Zeit vor allem in die Sicherheit, denn Hoxhas Paranoia der Angst vor ausländischen Intrigen und Verschwörungen wurde immer größer. Sichtbares Zeichen sind auch heute noch die über das gesamte Land verteilten Bunkeranlagen, denn es sollte für jeden Albaner einen Platz in einem Bunker geben.

  • Skutarisee
  • Schönes Camping & Glamping Resort.
  • Heike's Geburtstagsfrühstück...
  • Tolle Bogenbrücke bei Shokdra

Es ist heiß, also geht’s wieder in die Berge. Die Nordalbanischen Alpen gelten als Geheimtipp für Wanderer in unberührter Natur abseits des Massentourismus. Wandern kommt für Bernd derzeit leider nicht in Frage, also erkunden wir die Bergwelt eben mit „4x4“. Der direkte Weg führt per Fähre über den Koman-Stausee. Die dreistündige Fahrt ist spektakulär, denn der Stausee liegt in einer engen Schlucht mit steil aufragenden Felsen und ist an manchen Stellen kaum breiter als ein Fluss. Bereits in den 1970er Jahren wurde der Stausee angelegt und versorgt fast ganz Albanien mit Strom.

  • Wir nähern uns dem Stausee.
  • Toyo darf als erster auf die Fähre.

Kurve an Kurve, mal bergauf, dann wieder bergab: auf kleinen Straßen arbeiten wir uns durch die Berge und stoßen immer wieder auf einen Seitenarm des Stausees.

  • Wir sind wieder "on the road".
  • Beeindruckende Staumauer für den nächsthöheren Teil des Stausees.
  • Übernachtungsplatz mit toller Aussicht...
  • ...auch auf den Stausee.

Die Stadt Kruja hatten wir nicht auf unserem Radar, doch unser Reiseführer schreibt „Wer Kruja nicht gesehen hat, hat Albanien nicht gesehen“. Also bietet sich eine Fahrpause an, um zu erkunden was an der Stadt so besonders sein soll. Ein Spaziergang durch die hübsch renovierte Basargasse hinauf zur Festung beantwortet die Frage. Innerhalb der Festungsmauern wird dem albanischen Nationalhelden Skanderbeg mit einem imposanten Museum gedacht, denn von dieser Festung aus wurde das osmanische Heer im 15. Jhdt. unter der Führung Skanderbegs mehrfach zurückgeschlagen und Kruja somit zum Zentrum des albanischen Widerstandes gegen die Osmanen. Unter Enver Hoxha bekam Kruja den Ehrentitel „Heldenstadt“ und die Heldenverehrung wird in dem pompösen Museum aus den 1980er Jahren entsprechend zelebriert.

  • Skanderbeg-Museum in der alten Festung.
  • Am restaurierten Basar.
  • Das Denkmal in der Stadt darf nicht fehlen.
  • Olivenhain an unserem Campingplatz
  • Restaurant im Grünen.

Um Hauptstädte machen wir häufig einen großen Bogen. Bei Tirana sind wir unentschlossen, ignorieren oder anschauen. Da die Stadt an unserer Strecke liegt entscheiden wir uns für einen Stopp und sind angenehm überrascht. Wir starten am zentralen Platz der Stadt, natürlich der Skanderbeg-Platz, und spazieren in Richtung Süden an Regierungsgebäuden vorbei in das Block-Viertel, das bis in die 1990er Jahre den Mitgliedern der Politbüros vorbehalten war. Für eine größere Tour ist es uns zu heiß, doch unser erster Eindruck ist der einer lebenswerten Stadt mit vielen Parks, moderner Architektur mit viel Farbe und einer beachtlichen Gastro-Szene.

  • Der riesige Skanderbeg-Platz...
  • ...natürlich mit Denkmal.
  • Regierungsgebäude im italienischen Palazzo-Stil.
  • Bunk'Art - Museum in einem ehemaligen Bunker
  • Ehemaliges Enver Hoxha-Museum.
  • Einer der unzähligen "Pilzbunker".

UNESCO Weltkulturerbe und laut unserem Reiseführer eine der schönsten Städte Albaniens: Berat. Oben auf dem Hügel thront die Festung, den Burgberg hinauf zieht sich die Altstadt mit engen und steilen Gassen und auf der anderen Seit des kleinen Flusses Osum liegt der ehemals christlich-orthodoxe Teil der Altstadt. Wir quartieren uns gegenüber dem Burgtor bei einer kleinen Taverne im Olivengarten ein, somit haben wir einen steilen Weg gespart. Und die Festung ist sehenswert, denn wie viele albanische Burgen ist auch diese heute noch bewohnt und die engen Gassen haben ein besonderes Flair.
Berat wird auch die „Stadt der 1000 Fenster genannt“ und das wird bei einem Blick auf die Altstadt klar.

  • Gassen in der Festung.

Albaniens Küsten werden als DAS neue Paradies im Mittelmeer bezeichnet, doch ein Geheimtipp sind sie schon lange nicht mehr. Vor allem nicht im August, wenn neben italienischen, griechischen, deutschen und vielen weiteren europäischen Gästen auch die vielen Auslandsalbaner nach Hause fahren. Unsere Hoffnung, dass es ganz im Süden des Landes nicht mehr so voll ist erfüllt sich nicht. Zwar geht es an unserem eher kleinen Strand etwas entspannter zu als in den großen Ferienzentren, doch es ist uns immer noch zu viel Trubel und wir ziehen weiter.

  • Ehemalige Bunkeranlagen für U-Boote.
  • Schöne Küste...
  • ...und das Gegenteil von romantisch und einsam.
  • Gibt es einen schönen Platz für uns?
  • Etwas entspannter, aber immer noch zu viel los.
  • Aber leckere Meeresfrüchte.
  • Toyo-Service: wenn's passt, dann passt's.
  • Klassische Vorspeise...

Erste UNESCO Welterbestätte Albaniens und bekannteste archäologische Ausgrabungsstätte des Landes: Butrint. Malerisch an einer Lagune gelegen, spazieren wir im Schatten riesiger Eukalyptusbäume zu den Fundstätten. Vermutlich wurde die Stadt bereits im 4. Jhdt. vor Christus gegründet, im ersten Jahrhundert v. Chr. brachte Julius Cäsar die Veteranen seines Heeres hier unter, später wurde die Stadt zu einem Festspielort und unter den Griechen aufgrund ihrer Quellen zu einem Kurort.

Zurück in die Berge mit einem Stopp am „Blauen Auge“. Klingt witzig, doch es handelt sich um eine Karstquelle aus der pro Sekunde rund sechs Kubikmeter Wasser austreten, und das in den schönsten Farben. Entsprechend groß ist das Gedränge…. während der kommunistischen Zeit durfte nur die Staatselite diese besondere Quelle besuchen.

Noch einmal UNESCO Welterbe: die Stadt Gjirokaster. Auch hier thront eine Festung über der Altstadt, die sich den Burgberg hinaufzieht. Typisch für Gjirokaster, die auch „Stadt aus Stein“ genannt wird, sind die prächtigen Bürgerhäuser der osmanischen Händler mit ihren Dächern aus Kalkstein.

Fast drei Wochen sind wir durch Albanien gereist und sind positiv überrascht, denn Land und Leute vermitteln Aufbruchstimmung. Aus Gesprächen haben wir erfahren, dass viel im Land investiert wird, vor allem seitens der Auslandsalbaner. Deren Präsenz war nicht zu übersehen: an der unglaublichen Dichte an Luxusautos mit ausländischen Kennzeichen. Die Zahl der im Ausland lebenden Albaner entspricht ungefähr der im Land lebenden Bevölkerung.

Nun gilt es eine Entscheidung zu treffen: weiter nach Nordmazedonien oder noch eine Schleife in den Süden nach Griechenland. Wir entscheiden spontan nach dem morgendlichen Einkauf: Griechenland.
30km weiter sind wir wieder in der EU und cruisen über kleine Landstraßen durch ein völlig einsames und unbekanntes Nordgriechenland. Dazu mehr in unserem nächsten Reisebericht.