1. Reisebericht: Kappadokien in Zentralanatolien
8. - 18. Oktober 2025
Die Richtung kennen wir schon: Ungarn - Kroatien - Serbien. Dieses Mal fahren wir in einem großen Bogen um Belgrad herum und zügig geht es weiter nach Bulgarien. Wie schon bei unserer Orientreise legen wir eine erste Pause bei Freunden in Sofia ein - fast auf den Tag genau vor 6 Jahren waren wir hier für einen Stopover und somit gibt es viel zu erzählen.
War die Einreise in die Türkei in 2019 in einer halben Stunde erledigt werden wir dieses Mal richtig gequält. Nach der noch relativ zügig verlaufenden Pass- und Zollkontrolle sollen wir mit unserem Toyo zur Röntgenkontrolle. Die Schlange vor der Halle mit dem X-Ray ist lang und es dauert gefühlt eine halbe Ewigkeit bis ein Auto abgefertigt ist. Auch die meisten anderen Einreisenden werden zum Röntgen geschickt und die Fahrzeuge aus ca. 10 Fahrspuren an der Passkontrolle formieren sich zu einer endlos langen Schlange vor der X-Ray-Halle. Wir stehen gut 2 Stunden und werden dann nochmals zur Gepäckkontrolle geschickt, von dort zu einer Registrierung des Fahrzeugs, die sich dann aber als unnötig herausstellt... nach 4 Stunden haben wir es geschafft und legen unseren ersten Stopp in der netten Stadt Edirne ca. 20km weiter ein.
Erneut fahren wir in einem großen Bogen um Istanbul herum und nehmen dann die landschaftlich schönere Strecke nach Ankara. Auch die Hauptstadt der Türkei lassen wir "links" liegen und fahren zügig in Richtung Zentralanatolien.
Vulkanische Ablagerungen und Erosion durch Wind und Wasser: das Ergebnis ist die einzigartige Landschaft Kappadokiens mit ihren berühmten Felskegeln, den "Feenkaminen" mit Tuffhaube.
Vulkaneruptionen vor über 60 Millionen Jahren bildeteten Schichten von Lava und überlagerten das weiche Tuffgestein. Der weiche Tuff erodierte schneller als die härtere Lava und es entstanden Aufbrüche mit den filigranen Felskegeln für die die Region bekannt ist.
Im Zelve-Tal wohnten bis in die 1950er Jahre noch Hunderte von Menschen in den Felsen. Wegen akuter Einsturzgefahr aufgrund der starken Aushöhlungen mussten dann alle ihre Wohnfelsen verlassen und das Tal ist heute ein Freilichtmuseum.
In den weichen Tuffstein höhlten byzantinische Mönche die ersten Kirchen und sogar ganze Klosteranlagen. Die heutigen Orte sind malerisch zwischen die Felskegel gebaut. Teilweise sind die Häuser auch vor die Felsen gebaut und das ausgehöhlte Tuffgestein dient nach wie vor als Vorratskammer, Werkstatt oder Stall. Inzwischen gibt es natürlich auch einige Investoren die alte Höhlenwohnungen zu stylischen Hotels umgebaut haben.
Wer kennt nicht das Bild der Heißluftballone über der zerklüfteten Landschaft Kappadokiens? Bei Nachttemperaturen von ca. 5 Grad beschränken wir uns am (sehr) frühen Morgen auf das Zusehen von unserer schönen Felsterrasse. Und es ist gefühlt bitterkalt, so daß wir uns auch am zweiten Morgen "nur" für das Zusehen entscheiden. Dafür werden wir mit traumhaften Ausblicken belohnt.
Jetzt wollen wir endlich in wärmere Regionen! Sonne haben wir zwar und tagsüber ist es angenehm warm, doch wir sind auf ca. 1.300 Höhenmetern und das erklärt die kalten Nächte. Also ab an die Küste.
Erneut fahren wir über riesige Hochebenen mit endlosen Feldern, nur unterbrochen von einzelnen Gehöften oder kleinen Dörfern. Das anatolische Hochland wirkt wie eine Steppenlandschaft, doch es wird intensiv Landwirtschaft betrieben. Aktuell ist Kartoffelernte und wir sehen zum ersten Mal, dass die Ernte in unterirdische Keller oder, am Rand der Hochebene, in Felsenkeller, die in die Berge gehöhlt wurden, gefahren wird. Offensichtlich ist das Klima in dem weichen Tuffgestein nach wie vor geeignet, die Ernte länger zu lagern.
Ein interessanter Stopp ist die unterirdische Stadt in Derinkuyu. Bis zu 8 Stockwerke in einer Tiefe von 40 Metern wurden bislang entdeckt, das wirkliche Ausmaß dieses Labyrinths aus verzweigten Tunneln und Räumen konnte bis heute nicht erforscht werden, da viele Gänge verschüttet sind. Der Ursprung dieses Siedlungsraums stammt vermutlich aus vorchristlicher Zeit und sollte wohl Schutz vor Feinden bieten.
Derinkuyu ist die größte unterirdische Stadt und kann besichtigt werden - nichts für Klaustrophobiker, denn die Treppen sind eng und steil und es geht meist nur in gebückter Haltung abwärts. Obwohl die Luft in der Tiefe erstaunlich gut ist, die Frischluftzufuhr erfolgt über ein System an Luftschächten, bin ich nach einer Stunde froh wieder das Tageslicht zu sehen.
Ein weiterer Übernachtungsstopp am Weg zur Küste und natürlich wieder eine historische Sehenswürdigkeit. Der kleine Ort Gümüsler beherbergt ein beeindruckendes Felsenkloster aus byzantinischer Zeit. Die aus dem Felsen gehöhlten Räume umschließen einen quadratischen Innenhof, was sehr beeindruckend ist. Viele der oberen Räume in der Felswand konnte man früher nur durch einen versteckten Tunnel erreichen, daher wird vermutet, dass dort eine Schatzkammer oder Bibliothek mit kostbaren Schriften war.
28 Grad Lufttemperatur und ca. 25 Grad im Wasser, so haben wir uns das gewünscht. Mehr zu unserer weiteren Reise zwischen griechisch-römischer Antike und Hotelstränden entlang der Mittelmeerküste im nächsten Reisebericht.












































