Südnorwegen
30. Mai - 20. Juni 2026
Unser Toyopedi braucht wieder TÜV, wie jedes Jahr in seinem Alter. Somit starten wir nach Süddeutschland und dann geht es zügig weiter nach Norden mit netten Stopps bei Bernds Schwester und Freunden in Celle. In Kiel stimmen wir uns auf "Meer" ein und übernachten auf einem kleinen WoMo-Stellplatz am Nord-Ostseekanal mit tollem Blick auf die Schiffe. Auf der Fähre nach Oslo fühlen wir uns wie auf einem Kreuzfahrtschiff mit Restaurants, Bars, Shops und abendlichen Shows und erreichen nach einer ruhigen Überfahrt am nächsten Morgen Oslo.
Die Wettervorhersage kündigt für die nächsten Tage Dauerregen an, daher starten wir direkt mit einer Erkundungstour durch die Stadt.
Der nächste Tag bringt den angekündigten Regen und wir starten unseren Roadtrip mit einer ersten Etappe Richtung Westen. Bei unserer Route durch das Land wollen wir uns an den "Nationalen Touristenstraßen" orientieren, die laut den Empfehlungen Natur-Highlights abseits der Hauptverkehrsadern erschließen. Das erfordert mehr Zeit aber bietet sicher viele schöne Eindrücke.
Unsere erste Route beginnt bei Stavanger, am Weg stoppen wir bei der Stabkirche in Heddal die als größte des Landes gilt. Über kleine Nebenstraßen geht es an Flüssen und Seen entlang in die Berge und wir bekommen einen ersten Eindruck des "Fjells". So heißen in Norwegen die Tundraähnlichen Hochflächen, die teilweise noch schneebedeckt sind.
Bevor es richtig los geht, haben wir uns "schlau" gemacht und Interessantes zu unserem Reiseziel gelesen:
Norwegen ist knapp 1.800 km Länge in der Luftlinie und an der schmalsten Stelle nur 6km breit. Die Länge entspricht etwa der Distanz von Oslo nach Rom und macht Norwegen zum längsten Land in Europa.
Küstenlinie: über 25.000 Kilometer, was mehr als der halbe Erdumfang ist. Die Küstenlinien der ca. 150.000 vorgelagerten Inseln sind dabei nicht berücksichtigt.
Die Fläche des Landes enspricht in etwa der von Deutschland - davon sind hier rund 75% Gebirge und Gewässer.
Ca. 5,5 Mio Menschen leben in Norwegen, das sind etwa 15 Einwohner pro Quadratkilometer. Da der Großteil der Bevölkerung im Süden lebt sinkt diese Zahl auf 1,5 Einwohner im nördlichsten Teil des Landes, der Finnmark.
Norwegen zählt zu den gebirgigsten Ländern Europas, hat die größten Gletscher, die weitesten Hochebenen, die tiefsten Seen und die höchsten Waserfälle.
Wir sind gespannt und steigen gleich ein, diese Superlativen zu erleben.
Norwegens berühmteste Felskanzel, der Preikestolen, kann in rund vier Stunden durch steiles und teils unwegsames Gelände erwandert werden. Knapp 300.000 Besucher machen dies jährlich, also sollte ich das auch schaffen. Und ja es lohnt sich, auch wenn der Besucherandrang auf dem schmalen und steilen Felsweg schon grenzwertig ist.
18 Nationale Touristenstraßen gibt es und wir beginnen mit dem "Ryfylkevegen". Zum Einstieg Norwegen wie wir es von Bildern kennen: hohe Berge, steile Felswände, tiefe Fjorde, grüne Wiesen und viel Wasser.
Und die Wasserfälle! Wohin man schaut: Wasserfälle. Von tosend herabstürzenden Wassermassen bis zu kleinen schmalen Rinnsalen die malerisch die Berge herunterrieseln. Da das Wetter noch nicht mitspielt sind aufgrund des Regens unzählige dieser Rinnsale entstanden. Wir nennen sie "Lametta", da das Wasser oft wie filigrane Fäden über die Felswände läuft.
Der Hardangerfjord gilt als einer der schönsten Fjorde Norwegens und wir folgen seinem Ufer entlang der Folgefonn-Halbinsel. Leider ist es immer noch trüb und regnerisch, da geht auch ein Spaziergang unter einem Wasserfall.
Bergen, die Hauptstadt des „Fjordlandes“ gilt als heimliche Hauptstadt Norwegens. Für Camper gibt es einen riesigen Parkplatz am Stadtrand und eine Straßenbahnhaltestelle direkt davor. Es regnet nicht mehr und wir starten einen Stadtspaziergang.
Die geschützte Lage um den Naturhafen führte zur Gründung der Stadt um das Jahr 1.000 nach Chr. und schnell zu ihrem Aufschwung als wichtiger Handelsplatz. UNESCO Weltkulturerbe ist das Viertel der Deutschen Hanse, die im 13. und 14. Jahrhundert fast den gesamten Handel kontrollierte. Obwohl durch einen Großbrand in 1955 fast völlig zerstört, wurden die historischen Handelshäuser im alten Stil wiederaufgebaut.
Eine weitere Route lockt und es geht wieder rauf ins Gebirge und durch das Hochfjell des Hardangervidda, Europas größtem Hochplateau, und entlang der schönen Aurlandstraße weiter gen Norden.
Die Sognefjellstraße, Norwegens höchster Straßenpass, gilt als eine der schönsten Autorouten des Landes. Nur zwischen Juni und Oktober befahrbar, das passt. Zuvor entscheiden wir uns gegen den längsten Straßentunnel Europas und fahren den alten Laerdalsvegen über den Berg, mit vielen Serpentinen und viel Aussicht.
Die Landschaft ist in der Tat traumhaft schön und hochalpin, auch wenn der Sognefjell-Pass „nur“ knapp 1.400 Meter hat.
Wollen wir uns das wirklich antun? Angeblich sieht man vor Touristen die Landschaft nicht mehr wenn Kreuzfahrtschiffe vor Anker liegen. Die Rede ist vom Geirangerfjord, Norwegens Postkartenmotiv Nummer 1 und Titelbild der meisten Reiseführer.
Aber wenn wir schon einmal hier sind.... wir hoffen das Beste und starten durch das schöne Ottadal und biegen dann auf den Geirangervegen ein, der im Jahr 1900 auf der Weltausstellung in Paris als Meisterwerk der Straßenbaukunst ausgezeichnet wurde. Es fängt auch sehr entpannt und schön an.
Kaum haben wir den Pass überquert ändert sich das Bild: Reisebusse wohin man schaut! Es geht dennoch erstaunlich entspannt hinunter zum Fjord, die Parkplätze an den Aussichtspunkten sind natürlich alle voll oder deren Einfahrten mit Reisebussen zugegestellt. Bernd stoppt an einer privaten Hauseinfahrt und ich springe aus dem Toyo für unser obligatorisches Foto.
Es sieht schon beeindruckend aus, wenn ein Kreuzfahrtschiff in dem engen Fjord vor Anker liegt. Ansonsten ist das Örtchen Geiranger ein Touri-Hotspot und wir sind schnell wieder "on the road". Der Blick zurück auf den Fjord ist ebenso schön wie bei der Anfahrt und es blockieren keine Busse mehr die Parkplätze.
Als weiteres Highlight auf der "Goldenen Route" gilt der Trollstigen, eine Passstraße die sich in 11 engen Haarnadelkurven an einer Felswand entlang schlängelt. Wir schauen uns das erst einmal von oben an und stellen fest, dass wir schon weitaus "dramatischere" Serpentinen gefahren sind.
Entlang des schönen Romsdalfjordes geht es wieder zur Küste, denn wir wollen auf unserem Weg nach Norden wieder die landschaftlich schönere Strecke nehmen und das ist die Atlantikstraße, die sich über Brücken und Dämme von Insel zu Insel schlängelt.
War uns das Wetter die letzten Tage gnädig, ist es nun wieder regnerisch und windig. Schade, denn die schöne Strecke verliert sich im grauen Nebel und der Regengischt. Ein kurzer Stopp in Kristiansund im Regen und weiter geht es nach Norden.
Trondheim: einstige Hauptstadt, berühmtester Wallfahrtsort des Nordens und drittgrößte Stadt Norwegens. Es gibt wieder einen als Wohnmobilplatz ausgewiesenen Parkplatz und in Laufnähe eine Bushaltestelle. Das Ticket können wir vorab online kaufen. Es begeistert uns, wie einfach hier Dinge des täglichen Lebens - auch für Gäste - funktionieren. Parken, öffentliche Verkehrsmittel, ein WoMo-Stellplatz, die Straßenmaut oder die Fährtickets - alles kann online erledigt werden. Natürlich braucht man die entsprechenden "Apps" auf dem Mobiltelefon, aber auch das ist einfach zu bewerkstelligen und so sind wir sehr entspannt auch in den Städten unterwegs.
Wahrzeichen Trondheims ist der Nidaros-Dom. Er gilt als Norwegens schönster Sakralbau, ist Nationalheiligtum und Krönungskirche der Könige. Uns beeindruckt auch die schöne Fassade des Hauptportals mit ihren prächtigen Skulpturen. Erst 1930 wurde der durch Brände und Stürme weitgehend zerstörte Dom nach fast 100jähriger Restaurierungsarbeit wieder eingeweiht. Leider ist er für Besucher geschlossen, denn es ist Wochenende und nur für Gottesdienste geöffnet.
Es ist "Mittsommer" und wir sind auf dem 63. nördlichen Breitengrad angelangt. Es wird bereits nicht mehr dunkel, doch die Mitternachtssonne haben wir nocht nicht erreicht. Unser nächstes Ziel: der Polarkreis.




























































































































