Beobachtungen

Interessantes, Kurioses und was uns sonst so aufgefallen ist.......

Kanada

Das Temperaturempfinden der Kanadier ist anders: wir tragen Jeans und Fleece-Jacken, uns ist auch nicht wirklich warm, doch die Menschen um uns herum laufen in T-Shirts, viele auch in kurzen Hosen herum, einige Damen tragen bereits Sonnentops und Sandalen. Die Temperatur liegt bei ca. 15 Grad, doch es scheint die Sonne und das reicht offensichtlich, um kleidungtechnisch den kanadischen Sommer einzuleiten.

USA

Es ist sehr entspannend in den USA zu fahren. Eine derartige Rücksichtnahme im Straßenverkehr haben wir noch in keinem der bereisten Länder erlebt.

Kurz nach unserer Einreise haben wir getankt. Service gibt es nicht. An der Zapfsäule wird direkt per Kreditkarte bezahlt. Anstatt nach der PIN wird nach dem ZIP-Code, der Postleitzahl, gefragt. Weder der ZIP-Code aus Oklahoma funktioniert, noch der von unserem Heimatort in Österreich. Ok, die Kreditkarte ist aus Deutschland, doch auch diese Postleitzahl wird nicht akzeptiert. "Please see Cashier". Also rein in den Shop. "How many Gallons?" wird gefragt. Weiß nicht (...waren beide Tanks leer?), ich schätze die Liter, doch es wird schon weiter gefragt: "How many Dollars?" Ich weiß es nicht, auf diese Fragen war ich nicht vorbereitet. Vor 20 Jahren hat man die Kreditkarte zur Kasse gebracht, die Zapfsäule wurde frei geschaltet und man tankte, anschließend wurde mit der Kreditkarte an der Kasse abgerechnet. Was passiert denn jetzt, wenn ich zu viel Sprit kaufe – keine Ahnung – also Vorsicht. Doch wir lernen: man gibt einen Betrag in USD an, zahlt mit der Kreditkarte und wenn der Betrag zu hoch war, wird das Restguthaben auf die Kreditkarte zurückerstattet. Also, kein Problem, beim zweiten Mal wissen wir es.
Inzwischen haben wir an einer Zapfsäule wieder die Kreditkarte probiert und es wurde weder die Postleitzahl, noch der PIN-Code abgefragt. Karte reinstecken, volltanken und Auf Wiedersehen. Es geht manchmal auch einfach.

Natürlich muss man in den USA die Preise vergleichen. Haben wir doch Preise für die Gallone Diesel zwischen USD 2,09 und USD 2,99 gesehen. Immer noch billiger als bei uns zuhause; interessant ist aber, dass Diesel hier der teurere Treibstoff ist. Normal- und Superbenzin sind billiger, allerdings nicht der hochoktanhaltige „Racing-Sprit“.

Wir fühlen uns in den USA inzwischen wirklich willkommen und sind von der "Willkommenskultur" der Amerikaner, denen wir bis jetzt begegnet sind, positiv überrascht.

Unser Toyopedi weckt permanent großes Interesse. Auch wenn viele US-Amerikaner große SUVs fahren, teilweise mit Wohnauflieger auf einem Pickup ("5th wheeler"), oder riesige Wohnmobile, die einen normalen Reisebuss in Europa noch um mehrere Meter Länge übertreffen, finden sie trotzdem unser kleines Expeditionsauto mehr als „cool“, da es "off-road" tauglich ist und man damit überall hinfahren kann. Somit werden wir ständig angesprochen, egal wo wir anhalten.

Im Städtchen Nederland in Colorado kommen wir vom Einkaufen mit mehreren Flaschen Wein aus dem "Liquor Store" zum Toyopedi zurück. Schon aus der Ferne sehen wir einen US-Marshall um unser Auto laufen und Fotos machen. Wir erschrecken - was will der denn? Haben wir zu viel Wein? Es gibt ja merkwürdige Vorschriften in den USA, z.B. daß man keinen Alkohol in der Nähe des Fahrers transportieren darf, keinen Alkohol in der Öffentlichkeit trinken usw. Wir werden mit einem Lachen empfangen: „Ihr kommt aus Deutschland und kauft kalifornischen Wein, das gibt es doch nicht“. Ein langes Gespräch entwickelt sich: selbst ein Toyota Liebhaber, will der Marschall alles wissen - wie wir den Toyo nach Europa importiert haben, wo die Kabine gebaut wurde und natürlich über unsere Reise. Er ist so begeistert, daß er uns bei der Verabschiedung eine originalverpackte silberne Anstecknadel des US-Marshalls Office von Nederland schenkt, die er selbst an seiner tadellosen Uniform trägt. Wir sollen die Nadel den Straßenpolizisten zeigen, falls wir mal zu schnell unterwegs sind, meint er augenzwinkernd, dann wären die sehr beeindruckt. Noch zwei andere Paare sprechen uns an und wir verbringen eine Stunde auf dem Parkplatz, obwohl wir eigentlich frühstücken wollten – aber das wäre nicht möglich gewesen ohne unhöflich zu sein.

Auch die Flaggen auf den Türen wecken großes Interesse und man fragt uns ungläubig: wart ihr wirklich in all den Ländern und war es dort sicher? Ja, war es, ist unsere Antwort, mit dem schmunzelnden Hinweis, daß man nicht alles glauben sollte, was auf CNN berichtet wird.

Manche Hinweisschilder in den USA amüsieren uns. „Respect the rattlesnakes privacy!”. Ja, was denn sonst?, denken wir uns und schütteln den Kopf. Wer will schon die Privatsphäre einer Klapperschlange stören? Am Eintritt zum Indianer-Pueblo in Taos, nördlich von Santa Fe, steht folgendes Schild: „Parking prohibited – Exception: Gouvernor or War Chief.“ Bedeutet das, nur der höchste Politiker des Bundesstaates und der Häuptling dürfen hier parken? Wir beschließen, zukünftig amüsante Schilder zu fotografieren und auf unserer website zu veröffentlichen.

Nachtrag Diesel: Inzwischen hat sich die Bandbreite per Gallone von USD 2,03 bis zu USD 3,07 ausgeweitet.

Nachtrag Schilder: Wenn eine zweispurige Landstraße an einer Bergstrecke eine Überholspur erhält, steht das Schild: „Slower Traffic keep right“. Ok, klar. Die Zusätze dazu sind allerdings für uns amüsant: „Accept to pass“ („Akzeptiere, dass Du überholt wirst“) oder manchmal auch: „ Except to pass“ („Ausser, Du willst überholen“)

Nachtrag Toyopedi: "These guys have the coolest rig I've ever seen" - diese und ähnliche Aussagen begleiten uns täglich. Unser geländetaugliches WoMo fällt hier aus dem Rahmen und viele US-Amerikaner begeistern sich offensichtlich für ungewöhnliche Fahrzeuge und natürlich für offroad. Wenn wir dann erzählen, daß die Kabine maßangefertigt ist, wir keinen Campingplatz mit Versorgung brauchen, sondern alles "an Bord" haben, ist die Begeisterung umso größer. Obwohl es hier Reisemobile in allen Größen und Ausstattungen gibt, wirkt die "Weissware" nicht sehr robust und ist auf externe Stromversorgung angewiesen, was die ewig ratternden Generatoren zeigen. Auch diskutieren wir regelmässig, dass man das "Buschtaxi" weder in den USA noch in Europa kaufen kann und unser Toyo aus Qatar importiert wurde. Es wird bewundernd zur Kenntnis genommen, dass das Buschtaxi noch komplett ohne Elektronik gebaut wird - Toyota hätte den US-Markt mit dem Buschtaxi erobert wird uns dann erklärt, denn es wäre ja auch ein tolles Fahrzeug für die großen Farmen.

Nachtrag Diesel: vor dem Death Valley marschiert der Dieselpreis per Gallone auf USD 4,29. Wir sind empört, dafür würden wir niemals tanken - wenn wir allerdings nachrechnen, ist der Preis immer noch niedriger als bei uns zu Hause.

Die Vereinigten Staaten sind das Land um Kopfrechnen zu trainieren: Feet, Yards, Square Inches, Acres und Miles, dann beim Tanken die Gallons und natürlich Dollar–Euro, aber die sind ja leider fast gleichwertig.

Auch in den USA versuchen wir die großen Campingplätze zu meiden und ziehen es vor „wild“ zu campen. Dies ist fast überall möglich, wie es auch der bekannte Song ausdrückt: „This land is my land, this land is your land, from California to the New York Island….“. Das bedeutet nichts anderes, als dass das Land dem Bürger gehört und somit auch von diesem genutzt werden kann. Wo es nicht ausdrücklich verboten ist, darf kostenlos campiert werden und es ist nicht nur geduldet, sondern wird mit Prospekten über „public land“ aktiv beworben. Selbst in den National Forests, State Parks, County Parks, Recreation Areas etc. darf man häufig „wild“ campen oder es gibt toll gelegene, einfache Campingplätze mit Toiletten, Picknicktischen und Grillstellen für US$ 10-15 pro Nacht. In New Mexico haben wir in einem State Park übernachtet, der sogar Strom- und Wasseranschluss sowie warme Duschen zu bieten hatte. Das solch eine „Freiheit“ nur in einem flächenmäßig großen Land möglich ist erscheint logisch, doch ein bisschen mehr Freiheit in dieser Hinsicht wäre in Europa auch schön.

Von den großen RV-Parks sind wir meistens entäuscht, was sicherlich daran liegt, dass die Anforderungen der US-Amerikaner mit ihren bis zu 20 Meter langen Wohnmobilkolossen anders sind als unsere Wünsche. Legen wir Wert auf einen schönen Platz, möglichst mit viel Grün, eine funktionierende heiße Dusche, schnelles Internet und einen Waschsalon für unsere Wäsche, ist für die amerikanischen Reisenden ein großer Platz ohne Bäume oder sonstige Hindernisse, auf dem man möglichst ohne zu rangieren das Gefährt einparken kann, der Mindeststandard. Somit sehen die meisten RV-Parks wie große Parkplätze aus und ein Wohnmobil steht neben dem Anderen. Wichtig ist dann „full hook-up“, d.h. Strom, Wasser und Abwasser am Stellplatz, was für uns „nice to have“ ist, aber nicht wirklich wichtig. Und der Anschluß für Kabelfernsehen ist wie es scheint auch ganz wichtig, ein schnelles Internet eher nicht. Preislich beginnen diese RV-Plätze bei um die US$ 40,00 pro Nacht, d.h. wir würden viel Geld ausgeben für Dinge, die wir nicht brauchen.

Auch wenn wir beim Thema Internet von den RV-Plätzen entäuscht sind, begeistern uns die „public libraries“. Jede noch so kleine Stadt hat, meistens in der Nähe der Schule, eine öffentliche Bibliothek, die nicht nur eine riesige Auswahl an Büchern hat, sondern perfekt ausgestattet ist mit Computern und Highspeed-Internet. Wir vermuten, dass viele der Besucher zuhause keinen PC besitzen, so intensiv wird dieses Angebot genutzt, aber wir beobachten auch den ein oder anderen Leser eines Buches. Wir sind inzwischen begeisterte Nutzer dieses kostenlosen „Bürgerservices“, der jedem offen steht, nicht nur den Einwohnern der jeweiligen Stadt.

Inzwischen sind wir davon überzeugt, dass die riesigen Campingmobile, aber auch die mittelgroßen und die eher seltenen kleinen Camper nicht ohne einen Hund verkauft werden. Wir haben kein Fahrzeug entdeckt, dass nicht ein bis drei Hunde an Board hatte. Seltsamerweise ist die Größe des oder der Hunde umgekehrt proportional zur Größe der Camper.

Ebenso ist auffällig, dass man scheinbar eine Harley Davidson nur verkauft bekommt, wenn man einen Vollbart trägt. Erstaunlich ist auch, dass in einem Land, in dem eine Flut von Schildern permanent auf alle möglichen Gefahren und Risiken hinweist, eine Helmpflicht für Motorradfahrer nicht zu existieren scheint. Auch das Bewußtsein für den Sichheitsfaktor des Schutzhelmes ist offensichtlich nicht vorhanden oder wird ignoriert, denn Helme werden von den Bikern nur sehr selten getragen.
getragen.

Auf unserer Rundreise sind wir in verschiedenen Staaten durch Indianerreservate gefahren und es ist auffällig, dass den Ureinwohnern in der Regel die unfruchtbarsten Wüstengebiete zugewiesen worden sind. Allerdings gibt es auch gut entwickelte Regionen, in denen die Indianer Spielkasinos betreiben. So kommen wir an riesigen Luxus–Resorthotels mit Kasinobetrieb vorbei, die nicht nur in den Reservaten entstanden sind. Wie wir erfahren, gilt die Glücksspiellizens der Indianer staatenübergreifend, das heißt, wenn die Indianer ein Stück Land in einem Staat erwerben in dem der Betrieb von Spielkasinos nicht erlaubt ist, können sie aufgrund dieser Ausnahmeregelung eines bauen. Unter dem Titel „Geronimos Erben werden Hoteliers“ beschreibt unser Reiseführer auch, dass die Indianer mit den Gewinnenaus dem Kasinobetrieb immer mehr in den bislang von Weißen beherrschten Hotelmarkt einsteigen und noble Resorts bauen, die als Schaufenster indianischer Kultur und Geschichte dienen, und nicht zuletzt eine ausgesprochen profitable Einnahmequelle sind.

Wir waren bislang der Meinung, dass in den USA langsam gefahren wird - zumindest im Vergleich zu Europa und vor allem zu Deutschland. Das trifft aber nur teilweise zu: auf den Landstraßen darf meist zwischen 55 Meilen (88 km/h) und 65 Meilen (104 km/h) gefahren werden, in Texas bis zu 75 Meilen pro Stunde (120 km/h). Auf den Autobahnen ebenfalls meistens 75 Meilen, in Texas sogar 85 Meilen (136km/h). Das entspricht dem europäischem Durchschnitt, 120 km/h auf der Landstraße ist im Vergleich zu Europa sehr flott.

Das rücksichtsvoll gefahren wird, hatten wir bereits als erste Beobachtung erwähnt, doch die Rücksichtnahme kann auch nerven, denn manches Mal passiert einfach gar nichts: an einer Kreuzung mit klarer Vorfahrtsregelung wird aus purer Höflichkeit gewartet und gewartet - wir sind Gast in diesem Land also warten wir erst recht, doch die amerikanischen Verkehrsteilnehmer warten auch. Ob aus Höflichkeit oder Angst, dass wir etwas falsch machen könnten, ist uns nicht ganz klar...

Und das Abstandhalten: sobald wir uns auf der Landstraße einem vor uns fahrenden langsameren Fahrzeug nähern und diesem mit gebührendem Abstand folgen wird häufig nach einiger Zeit rechts ran gefahren damit wir passieren können, obwohl wir keinerlei Versuche unternommen haben zu überholen - dazu sind wir viel zu schwach motorisiert. Spätestens am nächsten Berg halten wir dann den freundlichen Autofahrer ziemlich auf....

Nachtrag Toyopedi: es vergeht nicht ein Tag, an dem wir nicht auf unseren Toyo angesprochen werden. Egal ob an der Tankstelle, auf einem Supermarktparkplatz, am Besucherzentrum einer Attraktion, selbst an der roten Ampel - unser "awsome rig" weckt die Aufmerksamkeit. Obwohl die Reaktionen immer positiv sind, fragen wir uns dennoch, ob es vielleicht auch daran liegt, dass solch ein Gefährt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nicht gekauft und schon gar nicht zugelassen werden kann.

Die USA sind das Land der Autofahrer, denn nicht zuletzt aufgrund der Größe des Landes sind die Entfernungen selbst beim Einkaufen enorm und zu Fuß kaum zu bewältigen, zumal die Einkaufszentren immer ausserhalb der Städte liegen, wo es meist nicht einmal Fußwege gibt. Mittlerweile braucht man für viele Besorgungen gar nicht mehr aussteigen - den klassischen "drive in" am Fast Food kennen wir in Europa auch, doch hier ist man in Sachen "drive through" eine Stufe weiter: Bank, Drogerie, Apotheke, Getränkeshop, Mini-Markt, Konditorei - alles bequem vom Auto zu erledigen. Und das Coolste: das "drive up wedding window" an einer der Wedding Chapels in Las Vegas. Einfach Fenster öffnen, ein kurzes "Ja" und zack ist man verheiratet... fehlt nur noch der "drive through" Scheidungsanwalt, aber den gibt es bestimmt auch schon.

Belize

"Reis mit Bohnen" oder "Bohnen mit Reis" - ist doch das Gleiche, oder? Nicht in Belize! Selbst im Museum wird auf Schautafeln der Unterschied demonstriert: Reis mit Bohnen ist ein Mix aus Beidem bzw. wird auch zusammen gekocht, Bohnen mit Reis sind zwei getrennte Beilagen und die Bohnen werden nicht auf dem Teller, sondern in einer Schale separat serviert. Ist aber auch egal, es schmeckt lecker und ist, zusammen mit Hühnchen in Sauce, Kochbananen und Kartoffelsalat (!) das Nationalgericht in Belize.

Aus Kostengründen trinken wir in Belize edlen Rum, 5 Jahre im Eichenfass gelagert - eine Flasche des besten einheimischen Rums kostet umgerechnet ca. EUR 12,00 und ist somit genauso teuer wie eine Flasche einfacher argentinischer oder chilenischer Wein (den wir in den anderen zentralamerikanischen Ländern für weniger als die Hälfte einkaufen).

Einkaufen macht nicht wirklich Spaß - die Supermärkte sind überwiegemd in chinesischer Hand und das Sortiment orientiert sich an den Grundbedürfnissen. Im Vergleich zu Mexiko gibt es weder frisches Fleisch oder Fisch noch Gemüse oder Salat und die (an Patagonien erinnernde) bescheidene Auswahl an Wurst und Käse ist extrem teuer, weit über europäischem Niveau.

El Salvador

Nach fast 4 Monaten in Mexiko und Guatemala fällt uns eines sofort auf: die Salvadorianer sind vom Aussehen her eher europäisch. Die Mehrheit der Salvadorianer sind Mestizos, d.h. spanisch-indigener Abstammung, und der Anteil der indigenen Bevölkerung ist sehr gering, was auf die brutale Unterdrückung erst durch die Spanier und später im Bürgerkrieg zurückzuführen ist.

Gingen wir ursprünglich davon aus, daß in Lateinamerika die katholische Kirche die mit Abstand größte Bedeutung hat, wissen wir inzwischen, daß der Evangelikalismus erheblichen Zulauf hat. In El Salvador sehen wir in fast jedem Dorf eine protestantisch-evangelikale Kirche und erfahren, daß mittlerweile über 50% der Gläubigen einer solchen Gemeinde angehören.

Die Beschilderung ist ausgesprochen gut. Während wir selbst in Mexiko oftmals den Hinweis auf eine Sehenswürdigkeit vermissen, hat im noch nicht wirklich touristischen El Salvador jede Kleinigkeit ein Hinweisschild und auch die allgemeine Ausschilderung ist prima.

Mexiko

Unsere Reise 2015/16 steht unter dem Titel "Zentralamerika II". Das haben wir so entschieden, weil wir außer Mexiko auch Guatemala, El Salvador und Belize bereisen wollen. Anzumerken bleibt jedoch, dass der größte Teil Mexikos dem nordamerikanischen Kontinent zugeordnet wird, außer einigen Regionen im Süden, die zu Zentralamerika gerechnet werden.

Eine tolle Gastfreundschaft konnten wir auf unserer Reise in allen Ländern erleben, zu den bisherigen Highlights - Bolivien, Brasilien und Kolumbien - können wir ein weiteres hinzufügen: Mexiko.
Die Mexikaner sind freundlich und aufgeschlossen, aber nicht aufdringlich. Sobald wir grüssen, erhalten wir ein strahlendes Lächeln zurück und der für unser Empfinden eher verschlossene Gesichtsausdruck vieler indigener Mexikaner ändert sich sofort. Egal ob an der Tankstelle, beim Einkaufen oder im Restaurant, wir werden zuvorkommend bedient. Und man ist auch hier wieder bemüht Fremden zu helfen - stehen wir mit einem Stadtplan beratend an einer Kreuzung, dauert es meist nicht lange und wir werden gefragt, ob wir Hilfe brauchen. (Wir waren noch nicht in Mexiko City...)

Auch die Polizei übt sich in Tourismus-Promotion und begrüßt uns in der schönen Kolonialstadt Oaxaca mit Handschlag und dem freundlichen Hinweis, daß wir uns bei Problemen jederzeit an sie wenden sollen.

Das weibliche Schönheitsideal ist auch hier nicht mit europäischen Massstäben zu vergeichen und die molligen Mexikanerinnen zeigen mit Stolz ihre Rundungen.

PEMEX ist die Erdölgesellschaft Mexikos und auch das größte Unternehmen des Landes. Das Tankstellennetz besteht, da es sich um ein Staatsunternehmen mit Monopol handelt, ausschließlich aus PEMEX-Tankstellen. Der Vorteil für uns besteht darin, dass alle Tankstellen zum gleichen Preis verkaufen, nämlich Pesos 14,20 für einen Liter Diesel, was ungefähr EUR 0,80 entspricht. Das Suchen nach günstigen Angeboten und das permanente Vergleichen entfällt. Das Tankstellennetz ist dermaßen dicht, dass man wirklich bis zum letzten Tropfen unterwegs sein kann, selbst in den kleinsten Dörfern gibt es noch Tankstellen. In größeren Städten halten wir den Ausbau des Netzes für völlig übertrieben, da man auf den großen Ein- und Ausfallstraßen gefühlt alle 500 Meter eine große Tankstelle hat. Ob sich das noch rechnet wissen wir nicht, doch für uns ist es kein Nachteil, denn wir haben noch nie an einer Tankstelle warten müssen. Im Gegenteil, immer haben wir das Gefühl man wartet auf uns.

Auch in Mexiko zahlen wir Autobahn- bzw. Straßengebühren, so wie in jedem anderen Land durch das wir gereist sind. Deutschland scheint das einzige Land in der Welt zu sein, wo dies offensichtlich nicht möglich ist...

In Mexiko haben wir viel mehr Polizeikontrollen, als in den bisher bereisten Ländern. Es gibt die Policia Ciudad (Stadt- oder Ortspolizei), Policia Vial (Straßenpolizei), Policia Estatal (wir vermuten Staatspolizei), Policia Federal (eine Art Landes- oder auch Kriminalpolizei) und Policia Militar (Militärpolizei). Vielleicht noch einige mehr, die haben wir aber noch nicht kennen gelernt. Alle sehen sehr beeindruckend aus: in großen, dunklen amerikanischen Jeeps, teilweise mit MG, schwarzen Uniformen mit schusssicheren Westen und die Maschinenpistole baumelt lässig in der Hand, wenn man auf das angehaltene Auto zuschreitet. Aber, wir werden niemals unfreundlich behandelt und nur selten nach unseren Papieren gefragt. Meistens ist man interessiert woher wir kommen und wohin wir noch reisen. Häufig bekommen wir auch Tips zu Sehenswürdigkeiten und touristischen Highlights.

Nachtrag PEMEX: PEMEX fördert nicht mehr genug Rohöl und somit muss teuer zugekauft werden. Dies liegt daran, dass kein Geld vorhanden ist, um neue Erdölfelder zu erschließen. Als Folge wurde in Mexiko sogar die Verfassung geändert, um anderen, ausländischen Erdölgesellschaften, das Recht zu geben, in Mexiko nach Erdöl zu suchen. Für uns wieder ein deutliches Beispiel, wie man ein Staatsunternehmen herunter wirtschaften kann, wenn die Profite abgeschöpft werden, anstatt zu investieren. Rund ein Drittel der Staatseinnahmen stammen von PEMEX.

Nachtrag Polizei: Inzwischen haben wir auch die Policia Maritima kennengelernt und die Policia Ministerial gesehen. Ob die Policia Ministerial dafür zuständig ist, die Ministerien zu kontrollieren hätten wir gerne gewusst. Könnte ein gutes Beispiel für andere Länder sein...

Auf der Baja California sind die Autofahrer "amerikanisiert": es wird defensiv und sehr rücksichtsvoll gefahren, sobald wir an einem Straßenrand den Anschein erwecken, die Straße überqueren zu wollen, wird - auch ohne Zebrastreifen - angehalten. An den Kreuzungen gilt das amerikanische Verfahren "wer zuerst kommt, darf zuerst fahren" und das funktioniert völlig problemlos und entspannt.

Geschwindigkeitsbegrenzungen werden grundsätzlich nicht wieder aufgehoben, ebenso Überholverbote. Es ist somit der eigenen Einschätzung - oder der des Verkehrspolizisten - überlassen, wann wieder schneller gefahren und überholt werden darf. Andererseits haben wir auf mehr als 12.000 Kilometern nur eine einzige Radarkontrolle gesehen.

Nachtrag Polizei: auf der Baja sind wir noch der Policia Proximidad begegnet, das würden wir als "Polizei der Nähe" übersetzen, aber was die nun macht, wissen wir nicht. Und wir haben noch eine für uns neue Polizei gesehen: die Policia Transito.

Linksabbiegen wird ganz unterschiedlich gehandhabt:
1. Es gibt eine Linksabbiegespur: abbiegen wie bei uns. 2. Die Linksabbiegespur liegt auf der rechten Seite: man fährt nach rechts, damit man die Nachfolgenden nicht ausbremst, wartet bis alle vorbei sind und biegt dann unter Beachtung des Gegenverkehrs links ab. 3. Es gibt keine Spur: hier ist es am spannendsten. Blinkt man links als Zeichen zum Abbiegen kann es trotzdem passieren, dass man noch mit voller Geschwindigkeit links überholt wird, so dass es ratsam ist, nicht nur den Gegenverkehr sondern auch den Rückspiegel genau zu beachten. Besser man quetscht sich an den rechten Straßenrand und wartet bis beide Spuren frei sind.

Nachtrag Polizei: natürlich gibt es auch die Policia Turistica, und dann sind wir noch der Policia Camino begegnet. Inzwischen fragen wir uns wirklich, wie die eigentlich alle zusammenarbeiten. Jedenfalls wundern wir uns nicht mehr darüber, dass der große Drogenboss "El Chapo" der Polizei immer wieder entwischt.

Wir reisen von Belize nach Mexiko ein und auch dieser zweite Grenzübertritt ist wieder zeitraubend. Noch vor der Pass- und Zollkontrolle müssen wir die Lebensmittelkontrolle über uns ergehen lassen - und dieses Mal ist unser Kühlschrank recht gut bestückt, denn bei unserer Einreise im letzten Jahr war keine Kontrolle, somit wandern Eier, Gemüse, Wurst und Käse in den Mülleimer. Nach der Einreise passieren wir dann drei Straßenkontrollen: Zoll, Militär (Drogen?) und die Polizei an einer aufwendigen Straßensperre mit Röntgenstrahlen (Menschenschmuggel?). An der Desinfektion, ca. 2km weiter neben der Straße, fahren wir versehentlich vorbei.....

Kolumbien

An den Strassen Kolumbiens wird viel gearbeitet und Baustellen sind allgegenwaertig. Im Vergleich zu Peru ist Kolumbien ein "Level" weiter: waehrend in Peru viele Schotterpisten asphaltiert werden ist man in Kolumbien dabei, zweispurige Strassen zu vierspurigen Highways auszubauen, was vielfach auch schon geschehen ist, doch die ueber viele Kilometer fertiggestellten Autobahnen sind nicht freigegeben und man faehrt mitsamt dem Gegenverkehr und in Kolonnen von LKWs mal auf der einen, mal auf der anderen Seite der schoenen neuen Strassen.

Heike faellt auf: kolumbianische Frauen tragen "Bauch und Po" und das mit Stolz. Auch wenn man nach europaeischen Massstaeben einige Kilos zu viel auf den Rippen hat, wird ein knallenges Top angezogen, dazu eine hautenge Jeans und das Ergebnis froehlich zur Schau gestellt.

Die Beschilderung ist chaotisch: auf schnurgerader Landstrasse wird die erlaubte Geschwindigkeit von 80km/h auf 30km/h gesenkt, warum ist voellig schleierhaft, denn es hat weder eine Baustelle, noch einen Ortsanfang, eine Schule oder etwas anderes, dass die Reduzierung rechtfertigen wuerde. Ebenso unvermittelt wird dann wieder 60, 80 oder 100km/h erlaubt. Auch die Ueberholverbote sind unverstaendlich geregelt, z.B. geht ein Ueberholverbot in einer Kurve auf der darauffolgenden geraden Strecke weiter und wird erst kurz vor der naechsten Kurve wieder aufgehoben. Das Ergebnis: niemand haelt sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen oder die Ueberholverbote.

Peru

Politikverdrossenheit scheint es in Peru - und auch in Bolivien - nicht zu geben: fast jedes Haus ist mit Werbung einer Partei "geschmueckt", es werden ganze Hauswaende in den Parteifarben getuencht und die Namen des Parteichefs oder des vermutlichen Wunschkandidaten in grossen Buchstaben aufgemalt.

Peru und der Muell: entlang der Fernstrassen liegt Muell, sobald wir uns einem Dorf oder einer Stadt naehern nimmt der in der Landschaft entsorgte Muell extrem zu und wir haben den Eindruck, das bislang schmutzigste Land Suedamerikas zu bereisen. Wir fahren durch tolle Landschaften, doch der Muell ist leider allgegenwaertig.

Auf den Speisekarten der Restaurants steht unter traditioneller peruanischer Kueche Meerschweinchen aus dem Backofen (oder gebraten) meist an erster Stelle, doch wer auf diesen kulinarischen Ausflug verzichten moechte, findet leckere Alternativen: in den Andenregionen Alpaka und Forelle, die mit "gesunden" Beilagen wie Quinoa (Hirse) oder Yuka (Maniok) serviert werden. Und nicht zu vergessen, der "Exportschlager" Perus: die Kartoffel. Ja, das Heimatland der Kartoffel ist nicht Deutschland sondern Peru! Angeblich gibt es in Peru ueber 2.500 Kartoffelsorten - die wir bislang probiert haben schmeckten super, so dass wir Nudelfans unseren Speiseplan um einige leckere Kartoffelgerichte erweitert haben.

Bolivien

Von der Gastfreundschaft der Brasilianer waren wir sehr beeindruckt, doch die Bolivianer stellen dies noch in den Schatten: wir werden mit Handschlag begruesst und in Bolivien willkommen geheissen, mit guten Ratschlaegen was wir besuchen sollen ueberhaeuft, bekommen e-mails mit Fotos von unserem Auto und weiteren Tips und alles mit einem Ziel: wir sollen uns in Bolivien wohl fuehlen und das Land in guter Erinnerung behalten. Mehr ueber ein ganz besonderes Beispiel dieser Gastfreundschaft im Reisebericht "Bolivien".

Schoene und gestylte Suedamerikanerinnen hatten wir an der Copacabana erwartet, doch nicht in Bolivien. Wir beobachten schoene und elegante Bolivianerinnen, die auch in Mailand eine "gute Figur" abgeben wuerden.

Es gibt wenig Vorfahrts- oder Stopschilder. An den Kreuzungen gilt offensichtlich rechts vor links, grosse Strassen scheinen hiervon jedoch ausgenommen und natuerlich gilt auch die Regel der Vorfahrt des "groessern Autos."

Wir schaetzen, dass ca. 70% der Haeuser nicht fertiggestellt sind - auf uns wirken sie sowieso wie Rohbauten, denn verputzt wird grundsaetzlich nicht. Das Erdgeschoss ist meistens mit grossen Blechtoren verrammelt und im ersten Stock fehlen die Fenster. Bei naeherem Hinsehen stellen wir dann fest, dass sie wohl doch genutzt werden.

Das Benzin wird in Bolivien subventioniert, allerdings nur fuer Einheimische; Auslaender zahlen statt 3,7 Bolivianos (ca. 0,40 EUR) mehr als das Doppelte (9,5 Bolivianos = ca. 1,10 EUR) pro Liter Diesel. Die Tankstellen sind haeufig kameraueberwacht, sicher auch um Missbrauch vorzubeugen, dennoch haben wir kein einziges Mal den Auslaenderpreis gezahlt. Wir sind an kleine Tankstellen gefahren und mit dem Hinweis, dass wir keine Rechung brauchen, die bei einem offiziellen Verkauf an Auslaender ausgestellt werden muss, wurden wir fast immer bedient, bezahlten zwischen 5 und 6 Bolivianos, und haben somit dem Tankwart noch ein huebsches "Trinkgeld" beschert.

Brasilien

Die Brasilianer sind gastfreundlich und aufgeschlossen. Oft werden wir zu einem Choppi (kleines Bier, vom deutschen "Schoppen" kommend) eingeladen. Waren in Argentinien, Chile und Uruguay noch die Weine das beliebteste Getraenk, wird in Brasilien Bier und Schnaps (aus Zuckerrohr) getrunken.

Uebernachtungen unterwegs? Kein Problem: die grossen Tankstellen an den Fernstrassen und Autobahnen sind auf Reisende und Trucker eingestellt, es gibt saubere Toiletten, Duschen und ein einfaches Restaurant. Fuer umgerechnet 5,- Euro haben wir in einer Churrascaria zwei kleine Steaks gegessen und uns mehrere Male am Buffet mit Gemuese (landestypisch, u.a. leckere schwarze Bohnen) und Salaten bedient.

Campingplaetze sind in der Regel gepflegt und es ist fuer uns bislang das einzige Land in Suedamerika in dem man auf der Toilette auch Papier findet und nicht nur das, die Toiletten und Duschen sind meistens auch sauber.

Der Diesel kostet in Brasilien zwischen 0,74 und 0,80 Euro pro Liter. Die Fahrtkosten werden allerdings durch hohe Strassengebuehren (nicht nur fuer Autobahnen!) empfindlich erhoeht. So haben wir auf der West-Ost Route fuer 1.000 km ungefaehr 60,- Euro bezahlt. Guenstig waren die Gebuehren auf der Nord-Sued Route mit ca. 12,- Euro auf 1.000 km.

Die Polizei in Brasilien faehrt haeufig Dacia und zwar die Modelle Duster und Sandero, auch in anderen Laendern Suedamerikas haben wir das schon beobachtet. Waere ja auch nicht erwaehnenswert, wuerde die rumaenische Polizei im Herkunftsland des Dacia nicht VW Passat 4-Motion und BMW 3er fahren.

Ueber 20.000 Kilometer sind wir durch Argentinien, Chile und Uruguay gefahren und haben nur zwei Radarkontrollen gesehen. In Brasilien sind die Strassen geradezu mit fest installierten Anlagen zugepflastert und an jedem zweiten Fussgaengerueberweg steht ein Radargeraet. Wenigstens werden sie aber immer vorher angekuendigt.

Chile

Geschwindigkeitsbegrenzungen werden in Chile sehr oft als Empfehlung angezeigt. Wer sich traut darf schneller fahren, das ist aber meistens nicht zu empfehlen.

Eine Gemeinsamkeit der chilenischen und der rumaenischen Kueche amuesiert uns: Liebstoeckel - zuhause nur als Suppengewuerz bekannt, finden wir es in Chile in jedem Salat, in Sossen, am Gemuese etc. und in unserer rumaenischen Wahlheimat ist es das Basiskraut fuer die "Ciorba", die beliebte saure Suppe.

Chilenische Autofahrer sind weniger ruecksichtsvoll wie argentinische.

Die Strassen im chilenischen Sueden sind unerwartet schlecht. Es wird zwar daran gearbeitet, doch sind die Strassen im Sueden Argentiniens bei weitem besser.

Auch die Versorgung mit Lebensmitteln ist im Sueden Chiles sehr eingeschraenkt - frisches Gemuese oder Salat gibt es nicht, der "Tante Emma"-Laden nennt sich zwar "Supermercado", hat aber ausser Zwiebeln, Kartoffeln und Moehren nicht viel zu bieten, obwohl wir inzwischen Sommer haben. Auch wenn wir Wurst und Kaese brauchen, ist der Einkauf schnell erledigt, da es meist nur eine Sorte gibt.

Wifi ist im Sueden Chiles nur selten zu finden; wir fragen ueblicherweise junge Leute nach einem Internet-Cafe oder Hotel mit Wifi, doch die meisten reagieren mit einem erstaunten "no hay" (gibt es nicht) auf diese Frage. In Argentinien begleiteten uns die neuen Fiberglasskabel ueber hunderte von Kilometern und selbst im entlegensten Dorf hatten wir gute Internet-Verbindung - wie wir inzwischen erfahren haben, gehoere das landesweite Internet zu den populistischen Massnahmen der Regierung Kirchner waehrend in Chile die Privatwirtschaft investieren muesste und fuer die ist der duenn besiedelte Sueden nicht wirklich interessant.

Argentinien

Dass argentinische Autofahrer ruecksichtsvoll sind muessen wir inzwischen relativieren: es gibt solche und solche...

"Take care of your camera"- bei unseren Spaziergaengen in argentinischen Staedten werden wir immer wieder von Passanten angesprochen, die uns warnen, die Kamera offen zu tragen. Viele wirken ehrlich besorgt und bestehen nahezu darauf, dass wir die Kamera verstecken.

Es ist unglaublich, wie weit man sehen kann. Wir haben in Patagonien so klare Luft, dass wir z.B. das Fitz Roy-Massiv (3.400m) schon aus ca. 200 km Entfernung sehen koennen.

Unsere liebsten Uebernachtungsplaetze in den Weiten Patagoniens sind in der freien Natur. Wir vermeiden so weit es geht die Campingplaetze, denn sie bieten meistens Nichts, sind dafuer aber auch nicht teuer.

"Die Falklandinseln waren, sind und bleiben ein Teil Argentiniens"- diese Aussage findet man haeufig als Aufkleber auf Autos oder als Graffiti an Waenden. Es gibt sogar ein offizielles Schild, dass wir sehr oft an der Strasse sehen: "Die Falklandinseln sind argentinisch." Dieses Thema scheint die argentinische Seele auch heute noch sehr zu beschaeftigen und wir finden selbst in kleinen Staedten grosse Ehrenmale, die an den Falklandkrieg erinnern und daran, dass die Falklandinseln argentinisch seien. In dem Zusammenhang faellt uns auf, dass wir noch keinen einzigen britischen Touristen getroffen haben. Und das T-Shirt eines US-amerikanischen Reiseleiters laesst uns schmunzeln: "Keep Calm and Keep the Falklands British".

Argentinier sind ruecksichtsvolle Autofahrer, besonders gegenueber Fussgaengern.

Bei Polizeikontrollen werden wir meistens durchgewunken, sobald man uns als auslaendisches Wohnmobil erkennt oder die deutsche Flagge sieht bzw. "Alemania" liest.

Der Peso “Parallelkurs” (Schwarzkurs) steht offiziell in der Zeitung!

Geldautomaten spucken nur ca. EUR 100,00 bis 150,00 aus. Es gibt kein erkennbares System welche Kreditkarte oder Bankomatkarte wann funktioniert und welche nicht. Kreditkartenzahlungen in Supermaerkten oder Restaurants sind dagegen problemlos moeglich.

Obwohl Suedamerikaner die US-Amerikaner nicht gerade lieben, werden US Dollar ueberall gerne genommen.

Uns wurde gesagt, Diesel ist in Argentinien teuer. Tatsaechlich zahlen wir umgerechnet zwischen EUR 0,64 und 0,96 pro Liter. Die Preise unterscheiden sich an den verschiedenen Tankstellen und es gibt ein Nord–Sued Gefaelle, da der Treibstoff im Sueden subventioniert wird. Zieht man in Betracht, dass wir zum “Parallelkurs” tauschen, kostet uns der Liter Diesel nur zwischen EUR 0,34 und 0,55!

Wir werden durchweg hoeflich und freundlich empfangen, vielfach auf der Strasse gegruesst, angesprochen und gefragt wie unser Auto hierherkam und wo wir hinfahren wollen.

Wir haben den Eindruck, dass man sehr "deutsch freundlich" ist. Es geht sogar soweit, dass wir einmal erklaert bekommen, Deutsche sind intelligente Menschen mit Koepfchen.…

An der Nationalstrasse in Patagonien werden tot gefahrene Guanakos oder Schafe nicht selten ueber die Weidezaeune gehaengt, somit sieht man viele Skelette an den Zaeunen. Ob daher der Spruch kommt “Hier moechte ich nicht tot ueber dem Zaun haengen ?"

Wir entdecken, dass in Argentinien auf Bierflaschen ein Pfand existiert (1 Peso), also bringen wir sie beim naechsten Einkauf zurueck. Wir haben 4 leere Flaschen in den Automaten gesteckt und uns stehen 4 Pesos zu. Wir kaufen aber nur 3 Neue. Nun haben wir ein Problem an der Kasse, denn eine Gutschrift gibt es nicht. Also wird jemand los geschickt und gibt uns eine leere Flasche zurueck. Ok, beim naechsten Mal machen wir es richtig: 4 leere Flaschen gegen 4 Volle. Hier werden aber gar keine Flaschen zurueckgenommen, obwohl es exakt die gleiche Supermarktkette ist, nur einige hundert Kilometer weiter im Sueden. Also, warum sich Gedanken machen: rein in den Muell - war ja in Rumaenien auch nicht anders.

Das Wort "Panaderia" kommt von Pan = Brot und bedeutet somit Baeckerei. In diesen gibt es immer Unmengen an Kuchen, Torten, suessem Gebaeck, Empanadas etc. zu kaufen, doch kaum Brot. Nur solches, dass man vielleicht an Mc Donalds verkaufen kann. Mit Glueck bekommt man ab und zu im Supermarkt koerniges Toastbrot.

Argentiniens Kueche ist aus frueherer Zeit u.a. gepraegt durch italienische Einwanderer. Somit gibt es unendlich viel verschiedene und auch frische Pasta zu kaufen und wir muessen nicht auf unsere Leibspeise verzichten. Auch haben wir kein Problem unsere geliebten Vollkornnudeln zu bekommen.

Mate, der Tee der Argentinier, schmeckt besser als er aussieht. Die Zubereitung ist aufwendig, daher bekommt man ihn nicht im Restaurant, sondern nur bei privaten Einladungen.

Laenderuebergreifend....

Wieder faellt uns auf, dass in Suedamerika viel mehr auf die Verantwortung des Einzelnen gesetzt wird. Der Staat versucht nicht, alles bis ins kleinste Detail zu regeln. Somit werden auch an Ampelkreuzungen selten Fussgaengerampeln montiert, was uns anfangs ziemlich irritierte. Wenn der Verkehr in "Laufrichtung" gruen hat, gehen auch die Fussgaenger los. Abbiegende Autofahrer lassen Fussgaenger passieren.

"We are Dutch, we are born with the bike" sagt Monique, als wir anmerken, dass alle hollaendischen Reisenden denen wir begegnen, Fahrraeder dabei haben. Irgendwie haben wir das schon geahnt, und inzwischen sind wir auch ueberzeugt, dass alle Suedamerikaner mit der Sonnenbrille geboren werden...

Fuer uns ist es ungewoehnlich, dass Strassen, Orte und Sehenswuerdigkeiten nach (ihren) Entdeckern benannt sind. Mehr als erstaunt sind wir, dass diese auch nach militaerischen Helden oder Persoenlichkeiten benannt sind. Da gibt es z.B. den See “Lago General Carrera” oder die Stadt “Comodoro Rivadiva”.

Wir wundern uns auch ueber das Prozedere an den Grenzen. Es gibt keine Grenzpolizisten am Schlagbaum und eigentlich koennte man bei den meisten Grenzen einfach durchfahren. In Europa koennten wir ohne korrekte Papiere nicht die Grenze passieren, aber hier ist es unsere Verantwortung, dass wir mit Stempel im Pass ein- oder ausgereist sind und wir fuer unser Auto die richtigen Zollpapiere bekommen. Folglich parkt man vor der Grenzstation, marschiert in ordentliche Bueros (bislang in Uruquay, Argentinien und Chile) und erledigt an verschiedenen Schaltern die Ein- oder Ausreise. Manchmal sind die Grenzstationen beider Laender auch in einem Haus zusammengelegt, ein anderes Mal in nahe beieinander liegenden Gebaeuden, oder es ist weit und breit kein zweites Haus zu sehen und wir fragen: “Wo ist die Einreise?” und bekommen den Hinweis, “Da muesst Ihr noch 30 km weiter fahren.”

Die Lebensmittelkontrollen: amuesant und nervend zugleich. Amuesant, da wir vor einem Grenzuebertritt versuchen, die "verbotenen" Lebensmittel aufzuessen. Also wird am Abend gross gekocht und morgens gibt es ein ausgiebiges Fruehstueck, das Brot wird mit Wurst und Kaese doppelt belegt und dazu gibt es noch ein grosses Ruehrei mit allen Resten... Nervend, da manche Kontrolleure nicht wirklich interessiert sind und andere jeden Schrank in unserem "Haus" oeffnen. Natuerlich wissen alle, dass ein Auto viele Verstecke bietet, die unentdeckt bleiben, und trotzdem werden "pro forma" die Kontrollen durchgefuehrt. Da viele Grenzen die wir passiert haben "in the middle of nowhere" liegen, ist die Versorgung mit frischer Wurst, Kaese und Gemuese dann eher bescheiden und die Auswahl im "Minimarkt" eines Dorfes faellt leicht: wir nehmen was da ist.

An Bord unseres Antarktis-Schiffes war eine groessere Gruppe aelterer US-Amerikaner. Als sich herumgesprochen hatte, dass wir mit dem Auto durch Sued– und spaeter durch Mittelamerika unterwegs sind, waren sie voller Begeisterung und wir wurden gebeten, vor der gesamten Gruppe ueber uns und unsere Reise zu erzaehlen. Einige stellten dann die Frage, ob wir denn bewaffnet sind und welche Art Waffen wir zur Selbstverteidigung mit uns fuehren wuerden. Als wir etwas ueberrascht erklaerten, dass wir keinerlei Waffen haben, stiess dies auf grosses Unverstaendnis.

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