6. Reisebericht: Namibia I

29. November - 26. Dezember 2022

Namibia: über 25 Jahre sind es her, daß wir dieses interessante und wunderschöne Land in einem vierwöchigen Urlaub bereist haben. Jetzt haben wir, unserer groben Reiseplanung folgend, sogar noch über 3 Monate zur Verfügung. Dies ist mehr als ausreichend, es wird sogar noch Zeit für das westliche Südafrika übrig bleiben.
Wir sind gespannt.
Aber zunächst reisen wir aus Botswana aus. Heike fragt die nette Zöllnerin, ob wir das Carnet de Passage ausstempeln müssen. Antwort: "Wenn Ihr wollt." Folglich bekommen wir einen Stempel und unser Toyo ist ausgereist. Der freundliche Namibianer am Zoll der Einreise wundert sich, daß wir bei ihm erscheinen, denn innerhalb der südafrikanischen Zollunion (Südafrika, Botswana und Namibia) braucht man keine Ein- oder Ausreiseformalitäten für ein Auto. Wir brauchen jetzt jedoch wieder einen Einreisestempel in unserem Carnet, damit unser Toyo wieder in der Zollunion ist. Der Beamte lacht, strahlt Heike an und meint: "Your wish is my order." (Ihr Wunsch ist mein Befehl.) Der Grenzübertritt hat etwa eine halbe Stunde gedauert, da hatten wir es schon erheblich zeitaufwendiger.

Unser erstes Ziel ist der Caprivizipfel, jener Landstreifen der 1890 im sogennanten Helgoland-Sansibar-Vertrag zwischen Deutschland und Großbritannien von Reichskanzler von Caprivi für Deutschland erhandelt wurde. Deutschland wollte einen Landstreifen zwischen dem Okavango und dem Sambesi erhalten, um von Deutsch-Südwestafrika über den Sambesi Zugang zu den ostafrikanischen Kolonien zu haben. Als Gegenleistung trat Deutschland die Insel Sansibar und weitere kleine Inseln an der Ostküste Afrikas an Großbritannien ab und erhielt zusätzlich noch die Insel Helgoland.
Bei unserer Reise vor 25 Jahren durfte der Caprivi, heute heißt die Region Zambesi, nur mit Allradfahrzeugen im Konvoi bereist werden. Inzwischen gibt es eine geteerte Straße, 200km schnurgeradeaus entlang traditioneller Dörfer der verschiedenen einheimischen Stämme. Die Region ist jetzt ein Nationalpark und es gibt angenehme und leistbare Lodges, die auch Camping anbieten. Entlang der Strecke stehen permanent Warnschilder, die auf querende Elefanten hinweisen. Die sehen wir leider nicht mehr, denn sie sind schon weitergezogen und kommen erst wieder, wenn die Regenzeit wieder mehr Wasser in das Gebiet gebracht hat. Aufgrund der riesigen Herden, es gibt schätzungsweise über 130.000 Elefanten in der 3-Flüsse-Region Okavango-Chobe-Sambesi, sind die meisten Dörfer mit Zäunen wie kleine Forts geschützt.

  • Trans-Caprivi-Korridor
  • Übernachtungsplatz am Okavango
  • Filmen des wunderschönen Sonnenuntergangs

Wir machen eine erste Pirschfahrt in die "Buffalo Core Area" und hoffen, doch noch auf Reste der Elefanten- und Büffelherden zu treffen, doch Fehlanzeige. Dafür sehen wir die ersten schönen Oryx-Antilopen.

  • Kazondwe Lodge
  • ... mit einem tollen Blick auf das Chobe Delta.
  • Einheizen der "Donkey Dusche"

Im Überflutungsgebiet des Chobe Flusses liegt der Mudumu Nationalpark. Unser Reiseführer beschreibt die Pisten als rauh, sandig und sehr staubig. Da es hier noch trocken ist wollen wir es wagen, zumal der nette Ranger am Eingang uns genaue Hinweise auf die 4x4-Passagen der Pisten gibt. Lt. Register sind wir die einzigen Gäste im Park und haben im Parkeintritt auch die Übernachtung auf einer Campsite inkludiert.

Und es musste natürlich passieren: festgefahren! Auf der Zufahrt zu unserer Campsite war dann Schluß und wir haben 1,5 Stunden in der Mittagshitze bei über 35 Grad unseren Toyo wieder freigeschaufelt.

Den traumhaften Sonnenuntergang an unserem einsamen Wiesenstellplatz am Fluß genießen wir an diesem Abend umso mehr.

Etosha Nationalpark

Da wir noch unsere Vorräte aufstocken wollen nehmen wir den Umweg über Grootfontein und sind plötzlich in einem anderen Namibia. Waren bis eben noch Hütten und Dörfer direkt neben der Straße, Rinder und Ziegen auf dieser und ebensoviele Kinder am Rand, fahren wir jetzt an endlosen Zäunen privater Farmen entlang. Ab und zu ein Schild: xx-Farm: 65 Kilometer, ein Tor und eine Piste ins nirgendwo. Trotz der gefühlten Einsamkeit hat es nette Restcamps entlang der Strecke.

Seit 1907 ein Nationalpark und nach der Etosha-Pfanne benannt, eine knapp 130km lange und 70km breite Salzpfanne, die zusammen mit vielen kleinen Nebenpfannen rund ein Viertel der Fläche des Parks ausmachen. Die Besonderheit des Parks sind außerdem die großen weiten Flächen entlang der Salzpfanne, auf denen das Wild gut zu beobachten ist. Übersetzt bedeutet Etosha "großer Platz des trockenen, weißen Wassers".
Wir starten am Osteingang des Parks, wo am "Fort Namutoni" ein Restcamp gebaut wurde.

Von unserem Besuch vor 25 Jahren hatten wir den Park als nicht so wildreich wie den Krüger oder Addo Elephant in Südafrika in Erinnerung, doch bereits die ersten Pirschfahrten begeistern uns. Elefanten, Nashörner, Löwen, viele der schönen Oryx-Antilopen, Strauße und große Zebraherden können wir beobachten.

  • Ein seltenes Spitzmaulnashorn
  • Riesentrappe
  • Badende Hyäne.

Im Camp "Okaukuejo" können wir am Wasserloch das Spektakel der abendlichen Elefanten "Wellness" erleben: trinken, duschen, baden und anschließend eine Ladung Staub, fertig ist die Spa-Behandlung.

Seit 2014 ist auch der Westen des Parks für Selbstfahrer geöffnet, doch wir entscheiden die 200km Piste nicht zu fahren, denn es soll kaum Wild geben und der Zustand der Piste eher bescheiden sein. Da wir von der Rüttelei auf den kleinen Pisten abseits der Hauptstrecke erst einmal die Nase voll haben, verlassen wir den Nationalpark, zumal wir wunderbare Tierbeobachtungen hatten.

  • Ständiger Gast am Campingplatz: Erdhörnchen
  • Gemeinschaftsnester der Webervögel

Es geht mal wieder... geradeaus.

Kaokeveld

Das Kaokeveld im Norden Namibias ist eine der abgeschiedensten Regionen des Landes. Wir fahren entlang des Kunene Flusses, der die Grenze zwischen Namibia und Angola bildet, und bekommen einen ersten Eindruck von der Einsamkeit und Unwirtlichkeit der Region. Lediglich entlang des Flusses zieht sich ein grünes Band durch die Landschaft, hier sehen wir auch die ersten traditionellen Dörfer der Himba.

Der Besuch eines Himba-Dorfes ist mit einem einheimischen Führer möglich und wir haben in Epupa die Möglichkeit dazu. Zuvor schauen wir noch die Epupa-Fälle an.

  • Statt traditioneller Haartracht der Himba: die Duschhaube

Bis zur Unabhängigkeit Namibias war die Kunene Region ein Homeland und weitgehend vom Rest des Landes abgeschottet. Die Himba gelten als das letzte Halbnomadenvolk des Landes und leben, auch aufgrund der Kargheit der Region, in kleinen Sippen weit verstreut voneinander. Während die anderen Stämme unter kolonialem Einfluß christianisiert wurden, konnten die Himba ihre traditionelle Religion und Lebensweise, auch aufgrund der Abgeschiedenheit der Region, weitgehend erhalten.

  • Das Dorf mit Hütten aus Lehm und Kuhdung.
  • Die Haartracht ist der Stolz der Himba Frauen.
  • Die geflochtenen Zöpfe werden mit einer ockerroten Paste ummantelt.
  • Hauptnahrungsmittel ist Maismehl.
  • Eine Krone aus Ziegenfell zeigt den sozialen Status: verheiratet

Über die ursprüngliche Lebensweise der Himba haben wir gelesen und doch hatten wir nicht wirklich eine Vorstellung. Das sollte sich schnell ändern. Als Gastgeschenk kaufen wir gemeinsam mit unserem Guide Lebensmittel ein: ein großer Sack Maismehl, Öl, Zucker, Salz und Kekse für die Kinder. Am Rand des Dorfes bekommen wir den Aufbau der Siedlung erklärt und warten darauf, dass wir in das Dorf gebeten werden.

  • Unsere Gastgeschenke gehen an die Tochter des Dorfhäuplings.
  • Ihre Hütte mit ihrer Kleidung: Ledergürtel und Lendenschurze aus Ziegenleder.

Begrüßt werden wir mit Handschlag und der Frage nach dem Wohlbefinden. Männer sind keine zu sehen, sie sind mit den Tieren unterwegs auf der Suche nach Weidegründen und Wasser und das oft während der gesamten Trockenzeit.
Wir lernen, dass Kleidung, Schmuck und vor allem die Haartracht rituelle Bedeutung haben und die Frauen sich NIE mit Wasser waschen.

Es ist für uns unvorstellbar, wie man so weit weg von der modernen Zivilisation leben kann. Wir sehen weder Plastik noch irgendwelche "Technik" wie Werkzeuge oder Küchengeräte. Auch kein Spielzeug für die Kinder. Ein Mädchen trägt ein "normales" Kleid und wir erfahren, dass sie die weiterführende Schule besucht, wo traditionelle Kleidung verboten ist.

  • Die Haartracht des jungen Himba Mädchens zeigt: Pubertät

Uns hat der Besuch sehr beeindruckt und wir wollen noch ein weiteres Dorf der Himba besuchen.
Unsere Reise geht durch das Kaokeveld wieder gen Süden und wir stoppen am "Ovahimba Living Museum". Hier haben die Himba ihr Dorf öffentlich gemacht und geben interessierten Besuchern einen Einblick in ihre Traditionen, Kultur und Lebensweise.

  • Unser Begrüßungskomittee...
  • Herstellung des Schmucks
  • Das Heilige Feuer: Mittelpunkt des Dorflebens
  • Unser netter Himba-Guide Robert erklärt mit viel Enthusiasmus.

Was uns im ersten Dorf nur erzählt wurde, bekommen wir nun auch gezeigt: die Körperpflege erfolgt mit Tierfett, das mit dem zerstoßenen Pulver von Roteisensteinen zu einer Hautcreme vermischt wird. Dazu kommen Kräuter die auch verbrannt werden und als Parfum für Haare und Kleidung dienen.

  • Herstellung der "Hautcreme"...
  • aus Butterfett und Ockerpulver.
  • Tanz und Gesang zum Abschluß unserer Dorf Runde.

Auch dieser Besuch hat uns wieder beeindruckt, denn die herkömmlichen Traditionen und die einfache Lebensweise scheinen nicht in Frage gestellt zu werden. Vielleicht ist es für die meisten jungen Himba auch alternativlos, dennoch machen sie auf uns einen zufriedenen und fröhlichen Eindruck.

Wir ändern kurz entschlossen unserer Route, denn unser Toyopedi braucht dringend einen Service und wir bekommen so kurz vor Weihnachten noch einen Termin bei einem Landcruiser Spezialisten in Windhoek. Das sind 750 Kilometer Strecke - da hatten wir schon weitere Wege zu einer Werkstatt.

Windhoek

Mit knapp 400.000 Einwohneren wirkt die Hauptstadt überschaubar und in der Tat sind die touristischen Höhepunkte auch überschaubar und in einem Tag abgearbeitet. Die Werkstatt unseres Toyopedi liegt in Laufnähe zum einzigen Stadtcampingplatz und dazwischen befindet sich noch eines der angesagten Lokale der Stadt - nach der Einsamkeit des Nordens passt das perfekt!

  • Tintenpalast - Sitz des Paralaments
  • Christuskirche - Wahrzeichen der Stadt
  • Alte Feste
  • Marienkathedrale
  • In guten Händen bei Safari 4x4 Engineering.
  • Coole Kneipe: Joe´s Beerhouse

Die "Wellness-Behandlung" unseres Toyo ist in einem Tag erledigt und wir ziehen uns für die Weihnachtstage auf einer Gästefarm nahe Windhoek zurück. Die hat zwar geschlossen, doch wir dürfen im Campingbereich wohnen. Somit sind wir die einzigen Gäste und genießen die Ruhe bevor es wieder "on tour" geht.